Wie ein Damoklesschwert hing der sogenannte Solardeckel über der deutschen Solarwirtschaft. Er wurde 2012 mit einer Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eingeführt und sah vor, dass kleine und mittlere Solaranlagen bis 750 Kilowatt Leistung gänzlich aus dem System der geregelten Einspeisevergütung herausfallen, sobald die Gesamtkapazität der in Deutschland installierten Solarenergie 52 Gigawatt erreicht hat. Das wäre im Lauf des Sommers dieses Jahres der Fall gewesen.

Solarkraftwerke mit einer Nennleistung bis 750 Kilowatt produzieren den Löwenanteil des aus Sonnenenergie gewonnenen Stroms in Deutschland. Die Erleichterung der Branche war groß, als die Aufhebung des Solardeckels nach monatelangen aber zunächst folgenlosen Lippenbekenntnissen der politischen Entscheidungsträger schließlich doch erfolgte. "Die Streichung des 52-Gigawatt-Deckels hat zu einer in so kurzer Zeit zuvor noch nie gemessenen Aufhellung der Geschäftserwartung in der Photovoltaik-Branche geführt", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Direktinvestments versus Fondslösung
Seit Verabschiedung des Kapitalanlagegesetzbuchs im Jahr 2013 gibt es kaum mehr große Solarfonds in der Form des Beteiligungsmodells. Dafür etablieren sich zunehmend Direktinvestments in Solaranlagen, die überwiegend auf großen Flachdächern installiert werden. Nach dem Wegfall des Solardeckels kommen auch diese vergleichsweise kleinen Anlagen gemäß EEG weiterhin in den Genuss einer 20-jährigen Abnahmegarantie und einer fixen Vergütung für den Strom, den sie produzieren.

Anders als bei Fondslösungen, bei denen Investoren Anteile an einer Gesellschaft erwerben, die Eigentümerin einer oder mehrerer Solarkraftwerke ist, oder bei Anleihen, bei denen Investoren solchen Gesellschaften – zumeist nachrangig zu bedienendes – Fremdkapital zur Verfügung stellen, erwirbt der Anleger beim Direktinvestment eine bestimmte Anzahl Module oder gegebenenfalls auch eine komplette Anlage.

Instrument der Steuergestaltung
Dafür muss er ein eigenes Gewerbe anmelden, kommt dann aber in den Genuss des sogenannten Investitionsabzugsbetrags (IAB), ein steuerpolitisches Instrument, das Anreize schafft, unternehmerische Risiken zu übernehmen. Es ist möglich, den IAB mit weiteren Abschreibemöglichkeiten zu kombinieren, sodass sich Solardirektinvestments als interessantes Instrument zur Gestaltung der individuellen Steuerlast erweisen können. "Bei einem intelligenten Aufbau der Finanzierung und bei entsprechenden steuerlichen Voraussetzungen kann die Rückerstattung etwa so hoch sein wie das eingesetzte Eigenkapital", sagt Ove Burmeister, Gründer und Geschäftsführer der DEB Deutsche Energie Beratung im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. (tw)


Wie genau das funktioniert, welche Risiken damit verbunden sind und wie man sie vermeiden kann, lesen Sie ab Seite 66 im FONDS professionell SACHWERTE-SPEZIAL, das gerade erschienen ist und zusammen mit Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell versandt wurde. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch im E-Magazin abrufen.