Anna von Boetticher ist Apnoetaucherin. Sie taucht ohne Sauerstoffflaschen über hundert Meter tief, ausgerüstet allein mit Brille, Flossen und einem Gurt mit Gewichten. In den diversen Disziplinen dieser Sportart ist sie zigfache deutsche Meisterin, und sie bildet die etwa 60 Kampfschwimmer der Bundeswehr aus.

Auf Einladung des Immobilienfonds-Anbieters Kanam sprach sie auf dem 19. FONDS professionell KONGRESS über Grenzerfahrungen, die sie beim Tauchen unter Eisbergen gemacht hat und darüber, wie man damit umgeht, wenn einem die Luft ausgeht.

Wie umgehen mit lebensbedrohenden Risiken?
"Ich bin nicht diejenige", schickte sie ihrem Vortrag voraus, "die Ihnen etwas über Finanzmarktprodukte erzählen kann." Aber sie könne von Erfahrungen am Rande des Machbaren berichten, wo die Grenzen des Menschen und seiner Natur liegen, und wie man mit den Risiken, die dort lauern, umgehen kann. Vergangenes Jahr tauchte sie durch ein Loch im Eis in einem Fjord in Grönland. Ohne Flaschen, aber auch ohne Sicherungsseil, weshalb sie auch prompt die rettende Öffnung aus dem Blick verlor, während "bereits jede meiner Körperzellen rief, sie wolle atmen."

In einer solchen Situation gäbe es zwei Möglichkeiten, sagte die Extremsportlerin. Die erste Art zu reagieren wäre, sich der Todesangst auszuliefern: "Oh, mein Gott, ich werde sterben!" Sie empfiehlt jedoch eine zweite. Nämlich einerseits die Lebensgefahr zwar als Problem zu erkennen, sich andererseits jedoch dann nicht mit seiner Angst, sondern mit der Lösung des Problems zu beschäftigen. "Ich hebe mir die Angst für später auf", lautet ihre Erfolgsformel in lebensbedrohlichen Situationen.

Wie man sich aktive Entscheidungsfähigkeit erhält
Von Boetticher sucht das Risiko und setzt sich Extremsituationen aus. Ihre Werkzeuge, dabei bewusst mit Risiken umzugehen, sind aber auf weniger existenzielle Situationen durchaus übertragbar. Man übe sich in der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, die man einer emotionsfreien Analyse unterziehen sollte. Da müsse man schon "brutale Ehrlichkeit" walten lassen, sagte die Taucherin.

Man schöpfe aber auch Vertrauen in Partner, auf die man sich verlassen kann – es war ihr Kameramann, der ihr zeigte, wo das Ausstiegsloch ist. Nicht nur wenn es um Leben und Tod geht, muss man in aussichtslos erscheinenden Situationen alles Emotionale abschalten und sich die rationale Handlungsfähigkeit erhalten, um aktive Entscheidungen fällen zu können. "Es wird schon gut gehen“, sagt Anna von Boetticher, sei kein Kennzeichen einer aktiven Entscheidung. (tw)