Klassenkampf mal ganz anders: Gegenüber stehen sich nicht Arm und Reich, sondern die selbsternannten Helden des Verbraucherschutzes und auf der "dunklen" Seite des Kapitals die Anbieter von Vermögensanlagen. Regelmäßig kritisieren die "Marktwächter Finanzen" der Verbraucherzentrale Hessen den "Grauen Kapitalmarkt" scharf.

"Dieses Segment ist grundsätzlich problematisch. Verbraucher können Chancen und Risiken wegen der häufig komplexen rechtlichen Ausgestaltung schwer abschätzen", hieß es im August. Eine Untersuchung habe fehlende Warnhinweise, schwammige Formulierungen und Mängel bei der Kostendarstellung aufgezeigt (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Pauschalkritik der Anlegerschützer
Seriöse Anbieter wehren sich ­zu Recht gegen den Generalverdacht, finden aber wenig Gehör. In einem moderierten Streit­gespräch treffen beide Seiten aufeinander. Dabei sind die Fronten einigermaßen verhärtet. Verbraucherschützerin Brigitte Mayer von den "Marktwächtern ­Finanzen" hält im Prinzip nicht viel von Vermögensanlagen und schon gar nicht für Privatanleger für deren Altersvorsorge.

Das liege einerseits an den Investitionsangeboten selbst und andererseits an den Mängeln, die es dabei gebe. "Es werden bis heute in diesem Markt Fehler gemacht – in der Werbung, in den Prospekten und in den Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB)", erklärt Mayer im Streitgespräch. Die Kritik der Verbraucherschützer vermittelt häufig den Eindruck, die Vermögensanlagen seien gänzlich unreguliert.

Profis halten sich an die Spielregeln
Dem ist nicht so: Das Vermögesanlagengesetz bildet den rechtlichen Rahmen für partiarische Darlehen, Nachrangdarlehen, Genussrechte, Namensschuldverschreibungen und Direktinvestments. Wer solche Investments auflegt, muss einen Prospekt erstellen und von der Bafin gestatten lassen (Ausnahme: Schwarmfinanzierungen). Das Problem sind also nicht fehlende Gesetze, sondern Anbieter, die sich nicht an die Spielregeln halten.

Deshalb schmettert Asuco-Geschäftsführer Robert List die Pauschalkritik der Verbraucherschützer ab: "Solche Verstöße können in jedem Anlagesegment vorkommen und sind kein generelles Argument gegen Vermögensanlagen." Der entscheidende Punkt sei ohnehin, dass die Regulierung von Finanzindstrumenten allein noch kein gutes Produkt mache. "Erfolgreiche Kapitalanlagen kommen von Anbietern, die ihren Markt verstehen und kundenorientiert handeln", meint List. (ae)


Das ausführliche Streitgespräch finden Sie in der FONDS professionell-Heftusgabe 3/2019 ab Seite 218 oder hier im E-Magazin.