Die Ratingagentur Scope hat das Einzelhandelssegment des deutschen Immobilienmarkts untersucht, das sich tiefgreifender gewandelt hat als andere Sektoren wie Büro- oder Wohnimmobilien. Vor allem der zunehmende E-Commerce bewirkt strukturelle Auswirkungen. Die Wachstumsraten steigen bereits seit einigen Jahren, nahmen aber während der Coronakrise besonders zu. Im Jahr 2020 hat der internetbasierte Einzelhandel um 24,1 Prozent zugelegt. Der Einzelhandel hat zwar insgesamt zugenommen, aber nur um knapp vier Prozent.

Die größten Verlierer im stationären Einzelhandel während der Coronakrise sind die Segmente Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. Hier ging der Umsatz im Jahr 2020 um 23,4 Prozent zurück. Die großen Kaufhäuser mit Waren aller Art erlitten Umsatzeinbußen von rund 13 Prozent. Es gibt kaum eine Einzelhandelsimmobilie, deren Mieter nicht um Stundung oder Kürzung verhandelt haben.

Krisengewinner sind Supermärkte und Getränkeläden
Die größten Gewinner im stationären Einzelhandel sind Supermärkte, Getränkeläden und – interessanterweise inmitten der größten Sorge vor Ansteckung mit einer Lungenkrankheit – der Handel mit Tabakwaren. Das Gesamtsegment verzeichnete Umsatzzuwächse zwischen fünf und sechs Prozent.

Die großen Supermarktketten gelten als bonitätsstarke Mieter, und aufgrund ihrer Standortpolitik schließen sie häufig langfristige Verträge ab. In dieser Kombination machen sie Nahversorgungsimmobilien, zu denen auch Drogerie- und andere Fachmärkte gehören, zu interessanten Investments. Durch die starke Nachfrage nach entsprechenden Einzelhandelsimmobilien für Fach- und Supermärkte hat sich ihr Anteil am Transaktionsvolumen aller Einzelhandelsimmobilien von sechs auf 22 Prozent nahezu vervierfacht. (tw)