Eine Umfrage des Meinungsforschers Yougov ergab, dass bei deutschen Investoren die Bereitschaft wächst, auch größere Investments online abzuschließen. Fast 40 Prozent der Befragten können sich vorstellen, 50.000 oder sogar 200.000 Euro über eine Online-Plattform zu investieren oder haben es bereits getan. Weitere 28 Prozent würden zunächst mal kleinere Beträge anlegen. Das sind rund zwei Drittel des Panels, das Yougov als repräsentativ für Deutschland angibt. Lediglich ein Drittel legt Wert auf eine persönliche Beratung und will nicht rein digital zeichnen.

Das Asset Immobilien erfreut sich größter Beliebtheit: 94 Prozent der vermögenden Deutschen haben bereits Erfahrung mit Immobilienanlagen. "Digitale Plattformen haben sich etabliert und dürften weiter an Bedeutung gewinnen", sagt David Neuhoff, Gründer und Vorstand von Linus Digital Finance, einer Investment- und Finanzierungsplattform, die die Studie in Auftrag gegeben hat. "Das bietet ideale Voraussetzungen für die Skalierung entsprechender Angebote und nachhaltiges Wachstum."

Ohne Beratung werden objektive Entscheidungskriterien immer wichtiger
Wenn die Beratung wegfällt, werden allgemein verbindliche Qualitäts- und Entscheidungskriterien umso wichtiger. Hierzu befragt, nannten die Panelteilnehmer vor allem, dass die Interessen von Initiator und Investor gleichgerichtet sein müssen, dass der Anbieter also hinreichend selbst involviert ist. Ein Viertel der Befragten macht das zur Voraussetzung einer positiven Investmententscheidung, lediglich 13 Prozent finden das unwichtig.

Die Renditeerwartungen bewegen sich in einem realistischen Rahmen: Fast die Hälfte der befragten Investoren erwarten Nettorenditen zwischen drei und fünf Prozent pro Jahr. Aber immerhin rund 13 Prozent haben mit mehr als acht Prozent recht sportliche Erwartungen an ihre Immobilieninvestments.

Nachhaltigkeit noch kein entscheidendes Kriterium
Weitere wichtige Kriterien, auf die Immobilieninvestoren achten, sind die Wertstabilität der Anlage, und die Regelmäßigkeit ihrer Erträge. Für etwas mehr als die Hälfte ist Wertstabilität der wichtigste Faktor, etwas weniger als die Hälfte betont die Ertragsstabilität. Interessanterweise sind die derzeit rauf und runter diskutierten Nachhaltigkeitskriterien nur für rund 14 Prozent der Befragten relevant. Dabei gibt es einen wirkmächtigen Zusammenhang zwischen der Wertstabilität eines Immobilieninvestments und seiner ESG-Konformität.

Die größte Hürde, vor der sich Immobilieninvestoren sehen, ist der Zugang zu attraktiven Objekten. Fast 40 Prozent halten den Immobilienmarkt für intransparent, erst an zweiter Stelle stehen hohe Kosten und nur von etwas mehr als einem Viertel wird die Illiquidität einer Immobilie als Nachteil empfunden. Unter anderem hier setzt das Geschäftsmodell von Linus an: "Digitale Plattformen sind auch deshalb so beliebt, weil das Investment unkompliziert umgesetzt wird und die Dauer des Investments zeitlich begrenzt ist", hält Neuhoff der Illiquidität entgegen. "So investieren unsere Anleger in der Regel in Darlehen mit Laufzeiten zwischen sechs und 48 Monaten."

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage von Yougov Deutschland, an der 253 Personen Ende April teilnahmen. Sie haben jeweils ein Geldvermögen von mindestens 500.000 Euro. (tw)