Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) warnt vor enormen Zahlungsausfällen bei Gewerbemietverhältnissen. Eine Befragung seiner Mitglieder zu den Auswirkungen der Coronakrise hat ein differenziertes Bild ergeben. Je nach Branche und Bundesland sind immobilienwirtschaftliche Unternehmen unterschiedlich stark betroffen.

Am stärksten betroffen sind der Einzelhandel, die Gastronomie und der Hotelbereich. Sie stehen für 70 Prozent der Mietausfälle. "Hier ist in besonderem Maße staatliche Hilfe für Gewerbemieter und Vermieter erforderlich, etwa durch Ausfallbürgschaften für gestundete Mieten", erklärt Andreas Ibel, Präsident des BFW. Sein Amtskollege Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), pflichtet ihm bei: "Unsere Betriebe waren die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen."

Bayern ist das am stärksten betroffene Bundesland. Hier leiden 28 Prozent der vom BFW befragten Immobilienunternehmen unter Mietausfällen im Gewerbebereich, in Nordrhein-Westfalen sind es 15 Prozent.

Negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben
Einzelhandel, Gastronomie und Tourismuswirtschaft würden das Erscheinungsbild und das Lebensgefühl vieler Städte und Kommunen prägen, argumentiert BFW-Präsident Ibel. Gewerbemieter und -vermieter müssten stärker unterstützt werden, "sonst drohen neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auch negative Entwicklungen für unsere Innenstädte und unser gesellschaftliches und kulturelles Leben!"

Der Dehoga fordert die Einführung eines auf sieben Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatzes und die Bildung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds. "Es darf nicht sein, dass Deutschlands Gastgeber nur mit einer hohen Verschuldung aus der Krise gehen, sollten sie sie überhaupt überstehen, und keine Entschädigung erhalten", so Zöllick. Es müssten schnellstens direkte Finanzhilfen für Hotel- und Gaststättenbetriebe geschaffen werden. Andere Branchen hätten in weitaus weniger dramatischen Situationen hohe staatliche Unterstützungsleistungen erhalten. "Unsere Familienbetriebe haben nicht die Rücklagen und Möglichkeiten großer Industrie- oder Versicherungskonzerne, um aus eigener Kraft aus der Krise herauszufinden." Es stünde die einzigartige Vielfalt von Gastronomie und Hotellerie in Deutschland auf dem Spiel, warnt Zöllick, ganze touristische Strukturen drohten zerstört zu werden. (tw)