Zahlreiche Anleger haben seit 2011 in die Entwicklung des Luxusresorts "Forest Lake Country Club" auf der kanadischen Halbinsel Nova Scotia investiert – auch im Vertrauen auf die Seriosität der Marke "Engel & Völkers". Der Projektträger, das kanadische Unternehmen Terra Firma Development Corporation, musste im Herbst vergangenen Jahres jedoch Insolvenz anmelden, wie das "Handelsblatt" zuerst berichtete.

Was vielen Anlegern womöglich nicht so klar war: Die Marke "Engel & Völkers" wurde dem Unternehmen, das das Geld akquirierte, nur gegen Entgelt geliehen. Beim sogenannten Franchising wird die Nutzung einer Marke in Lizenz vergeben, ohne dass es eine gesellschaftsrechtliche Verbindung zwischen den Unternehmen geben muss. Die Engel & Völkers Resorts GmbH entstand 2008 durch Umfirmierung der Engel & Völkers Projektmarketing International GmbH. Bis Ende 2010 gehörte sie zu 60 Prozent zur Engel & Völkers Residential GmbH, die ihrerseits 100-prozentige Tochter der Konzernmutter ist. Im Dezember 2010 übernahm Geschäftsführer Ralph Viereck sämtliche Anteile. Zeitgleich schied Viereck aus dem Vorstand der Engel & Völkers Capital AG aus, so dass gesellschaftsrechtliche Verbindungen tatsächlich gekappt waren. Als Franchisenehmer trat Viereck jedoch weiterhin unter der Marke Engel & Völkers auf.

Langjähriges Know-how und Marktführerschaft per Imagetransfer
Wiewohl die Firma gerade erst gegründet war, konnte die Engel & Völkers Resorts GmbH ab 2011 auf Basis einer Lizenzvereinbarung mit dem "langjährigem Know-how" und der "Marktführerschaft" von Engel & Völkers so werben, dass der de facto fehlende Zusammenhang kaum zu erkennen war. Engel & Völkers habe die fraglichen "Kapitalanlageprodukte nicht konzipiert oder vertrieben", teilte das Maklerhaus dem "Handelsblatt" mit, vielmehr habe die Engel & Völkers Resorts GmbH "rechtlich und wirtschaftlich selbstständig" gehandelt.

Die Verkaufsunterlagen zu dem Angebot "Forest Lake Country Club" waren jedoch im markanten rot-schwarzen Design von Engel & Völkers gestaltet. Für Anleger war nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass es sich nicht um ein Produkt aus dem bekannten Maklerhaus handelt, das sich inzwischen um Distanzierung bemüht: "Es war den ehemaligen Lizenznehmern zu keiner Zeit gestattet, Kapitalanlageprodukte unter Nutzung der Marke Engel & Völkers zu vertreiben", zitiert das "Handelsblatt" den Lizenzgeber.

Den alten Laden schließen und einen neuen aufmachen
Auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE, welche Möglichkeiten der Schadensminderung Engel & Völkers ergreifen würde, um den Schaden im eigenen Interesse und in dem der Investoren zu mindern, wollte sich das Haus nicht äußern. Auch Ralph Viereck war für die Redaktion nicht erreichbar. Dessen Gesellschaft Engel & Völkers Resorts GmbH befindet sich seit Anfang 2018 in Liquidation. Ende 2016 hat er jedoch die an derselben Adresse geschäftsansässige EV Resorts GmbH neu gegründet und darüber jedenfalls bis September 2019 weiterhin Immobilien des Projekts "Forest Lake Country Club" als Investment angeboten. (tw)