"Wir machen unsere Kapitalmärkte transparenter, erleichtern den Zugang zu Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten und machen Anlageprodukte wie ELTIF und andere alternative Investmentfonds für Anleger und Fondsmanager attraktiver." Mit diesen Worten umreißt die zuständige EU-Kommissarin Mairead McGuinness, was die Europäische Kommission mit ihrem jüngsten Maßnahmenbündel zur Kapitalmarktunion erreichen möchte.

Zu den Vorschlägen gehört auch, die umstrittene Praxis des "Payment for Order Flow" zu verbieten, bei der Neobroker Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze vermitteln und dafür eine Vergütung erhalten. Außerdem soll eine einheitliche Datenbank errichtet werden, die Finanz- und Nachhaltigkeitsinformationen über europäische Unternehmen und Anlageprodukte vorhält. Vor allem kleine Unternehmen sollen mit ihr ihre Sichtbarkeit für internationale Investoren erhöhen können.

Die Einstiegshürden beim ELTIF sollen gesenkt werden
Dem noch recht jungen Vehikel European Long-Term Investment Fund (ELTIF) soll zu größerer Attraktivität verholfen werden, indem beispielsweise die Mindestbeteiligung von derzeit 10.000 Euro abgeschafft wird und die Maßgabe entfällt, dass ein Anleger höchstens ein Zehntel seines liquiden Vermögens in einen ELTIF investieren darf. Auch das Spektrum möglicher Assets, in die ein ELTIF investieren kann, soll erweitert und Dachfonds-Strukturen möglich werden. Der Europäische Fonds- und Assetmanagement-Verband EFAMA sieht die Kommissionsvorschläge positiv: "Der überarbeitete Rahmen hat das Potenzial, den ELTIF zu einem Produkt der Wahl für europäische Anleger zu machen und zu einem Eckpfeiler der Kapitalmarktunion zu werden."

Auch der deutsche Fondsverband BVI steht dem Erneuerungsvorhaben grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber: "Es ist gut, dass die EU-Kommission einige unserer Vorschläge zur Entschlackung der ELTIF-Regulierung berücksichtigt hat," sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. "Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die vorgeschlagenen Vereinfachungen wie die Streichung der Mindestanlagesumme von 10.000 Euro und der Wegfall des zusätzlichen Geeignetheitstests ausreichen werden, um den ELTIF zum Markterfolg zu führen."

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Die EU-weiten Vorschriften für Alternative Investmentfonds (AIF), insbesondere solche, die Darlehen an Unternehmen vergeben, sollen harmonisiert werden. Die vorgeschriebenen Reportings sollen vereinfacht werden, Mandate an Verwahrstellen sollen auch grenzüberschreitend vergeben werden können, dafür sind jedoch die Rahmenbedingungen für internationale Befugnisübertragungen zu präzisieren.

Durch die Überarbeitung der AIFM-Richtlinie soll es auf der einen Seite der Realwirtschaft erleichtert werden, an Kredite zu kommen, auf der anderen Seite sollen die Anleger, die in diesen Fonds als Darlehensgeber fungieren, besser geschützt werden. Skeptische Tönen hierzu kommen von der EFAMA: "Wir warnen vor der Einführung von allzu präskriptiven Regeln", sagt Federico Cupelli, stellvertretender Direktor für Regulierungspolitik. "Die Aktivierung dieser Instrumente sollte im Ermessen des Managers liegen. Sie hängt von den individuellen Merkmalen der von ihnen verwalteten Fonds ab." Das EU-Parlament muss den Vorschlägen noch zustimmen. (tw)