Die Transaktionsaktivität an den deutschen Immobilienmärkten war in den Monaten des Lockdowns spürbar zurückgegangen. Inzwischen ist sie aber wieder aufgenommen worden, schätzt Ulrich Höller die Lage ein. Er ist Vize-Präsident des Zentralen Immobilienausschusses ZIA, dem Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft. "Prime-Produkte sind jetzt sogar noch begehrter als zuvor", stellt er fest.

Immobilienmärkte im Zeichen von Corona
Es sei vor allem die Unsicherheit bezüglich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und der weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19, die die Märkte beeinträchtigt, keine substanzielle Veränderung der Immobilienmärkte selbst.

Gleichwohl kam es in einzelnen Segmenten nahezu zu einem Stillstand. Hotels und Einzelhandelsimmobilien waren von den Corona-Maßnahmen besonders betroffen. "Aber die Entwicklung beispielsweise der Warenhäuser kränkelte vorher schon. Der Einzelhandel steht vor einer vollkommenen Transformation", sagt Höller. Investoren, die auf die Neuentwicklung ganzer Stadtquartiere setzen, wird dabei eine wesentliche Rolle zukommen.

Klimaschädling Immobilie
Die Immobilie hat nach wie vor keine gute Ökobilanz, obwohl der gesamte Gebäudesektor seine CO2-Emissionen seit 1990 um 40 Prozent reduziert hat. "Aber der große Beitrag, den die Immobilie zur CO2-Einsparung noch weiter leisten kann, zeigt ja, welche Bedeutung sie politisch haben sollte", sagt Höller. Die Immobilie sei zwar einer der Hauptverursacher von CO2-Emissionen, damit aber auch einer der Hauptlösungsträger.

Nicht nur bei der Klimarettung kommt der Immobilie eine entscheidende Rolle zu. Sie erwirtschaftet auch ein Fünftel des deutschen Bruttoinlandsprodukts – mehr als der Automobilbau. Entsprechend müsste der Immobilie auch in der Politik mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es sollte zum Beispiel ein eigenes Ministerium auf Bundesebene für die Immobilie eingerichtet werden, fordert Höller. (tw)


Das komplette Interview mit ZIA-Vizepräsident Ulrich Höller über die Folgen von Corona für die internationalen Immobilienmärkte lesen Sie in der neuen Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell ab Seite 204. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch im E-Magazin abrufen.