Der Angriff Russlands auf die Ukraine hält Europa seit über zwei Monaten in Atem. Neben der Politik muss sich vor allem die Industrie mit den Folgen des Krieges auseinandersetzen. Die Sanktionen gegenüber Russland und russischen Firmen trifft viele vor Ort engagierte deutsche Unternehmen. Noch gefährlicher ist aber der Stopp der Erdgaslieferung aus Russland, da Energiemangel Produktion und Transport hierzulande gefährdet. Mit all diesen Problemen muss sich letztlich auch die Assekuranz befassen – und als größter europäischer Versicherer natürlich auch die Allianz. 

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) erklärt Allianz-Chef Oliver Bäte, dass das Geschäftsmodell der Assekuranz als Ganzes trotz des Krieges intakt sei. "Wir können keine Systemrisiken versichern. Krieg ist ein Systemrisiko. Betriebsunterbrechungen versichern wir, wenn sie zufällig sind", führt er aus. Die Allianz gehöre daher nicht zu den Versicherungsgesellschaften, die für kriegsbedingte Geschäftseinbußen Dritter geradestehen müssen. "Die größten Ausfälle haben am Versicherungsmarkt Lloyd’s of London die Spezialversicherungen, die das Kriegsrisiko bewusst miteingeschlossen haben. Dann trifft es die Banken und Versicherer, die besonders groß sind in der Ukraine, in Russland und Belarus", so Bäte gegenüber der FAZ.

Allianz hält an Ausstieg aus fossilen Energien fest
Gänzlich ungeschoren komme sein Unternehmen aber nicht davon, die Allianz hat schließlich auch russische Vertragsnehmer. "In Russland haben wir das Neugeschäft natürlich sofort eingestellt", berichtet Bäte weiter. Für die Firmen im Land, die Prämien an die Allianz gezahlt haben, werde man mögliche Schäden regulieren müssen. Das sei aber überschaubar, betont er. Der Krieg und die Frage der Energieversorgung trifft die Allianz an einem anderen Punkt: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck denkt derzeit über eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und ein Festhalten an der Braunkohle-Verstromung nach. Die Allianz hat sich dagegen den Ausstieg aus Kohle sowie Öl und Gas auf die Fahne geschrieben – und dabei bleibe es laut Bäte auch.

"Wir fordern aber noch mehr konkrete Energieprojekte bei den Erneuerbaren ein. Wenn wir in Europa unabhängig werden wollen von russischem Öl und Gas, das etwa 20 Prozent unseres Nettoenergieverbrauchs ausmacht, dann müssen wir sofort handeln", setzt Bäte nach – auch wenn das mehr kosten wird. "Und wir müssen den Menschen in Deutschland, die jetzt schon rund 30 Prozent höhere Energiepreise zahlen, ehrlich sagen, dass das teuer wird." Zugleich fordert er die Streichung von Subventionen für fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas. (jb)