Fälle von Cyber-Kriminalität sorgen seit Jahren für Schlagzeilen und unterstreichen die Notwendigkeit für wirksamen Schutz vor Internet-Gefahren. Versicherer wie Allianz und die britische Beazley wollen diesen auch bieten.

Policen gegen Hackerangriffe gelten als einer der vielversprechendsten Wachstumsmärkte. Die Anbieter gehen davon aus, dass sich die Beiträge in den kommenden vier Jahren verdreifachen werden. "Wir sind optimistisch, dass es sich zum nächsten Blockbuster für die Allianz und die Branche entwickeln kann", sagt Hartmut Mai, CUO für Unternehmen in der Sparte für Industrieversicherungen bei der Allianz. "Cyber-Versicherung ist unser wichtigster Wachstumsbereich im Moment."


In unserer Fotostrecke oben finden Sie einige der spektakulärsten Fälle von Cyber-Kriminalität in der Finanzindustrie.


Perfekter Zeitpunkt
Die neue Art von Absicherung könnte für die Branche zu keinem günstigeren Zeitpunkt kommen. Denn viele Versicherer haben gerade arg damit zu kämpfen, ihre Geschäfte in den meisten etablierten Märkten auszubauen – angesichts eines langsamen Wirtschaftswachstums und geringer Katastrophen-Forderungen, was sich auf die Preise und die Gesamtprämien auswirkt. Im Vorjahr stagnierten die Einkünfte aus Versicherungsbeiträgen in Europa, und für 2018 wird gerade mal ein Plus von 1,3 Prozent erwartet, wie Daten des Rückversicherers Munich Re zeigen. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Beiträge aus Cyber-Versicherungen auf 8,5 bis zehn Milliarden US-Dollar bis 2020 steigen könnten – verglichen mit derzeit rund 3,4 Milliarden Dollar.

Ein weiterer Nachfrageschub könnte sich aus Regeln ergeben, die im kommenden Jahr von der EU eingeführt werden. Demnach müssen Unternehmen Cyber-Attacken an die Aufsichtsbehörden und an die betroffenen Personen melden. "Cyber-Risiken sind in den vergangenen Jahren zu einem Thema in den Vorstandsetagen geworden, nachdem es zu ein paar sehr bekannten Hacker-Angriffen gekommen war", sagt Paul Bantick, Chef für Cyber-Versicherungen bei Beazley, in einem Interview mit Bloomberg.

Risikobegrenzung
So wie Munich Re und Allianz sieht auch Beazley ein rasantes Wachstum bei Cyber-Versicherungen. Der Lloyd's-of-London-Versicherer hat sich mit Munich Re verbündet, um das Produkt anzubieten – und führt den Bereich schon jetzt mit Gewinn. Damit das auch so bleibt, sind die Versicherer vorsichtig, nicht übergroße Risiken in dem aufkeimenden Markt zu übernehmen. "Wir begrenzen unsere Deckung auf 100 Millionen Dollar je Kunden", sagt Bantick, wobei Munich Re und Beazley jeweils hinter 50 Millionen Dollar stehen würden. "In größeren Programmen sind die 100 Millionen Dollar nur der erste Teil, andere stellen eine zusätzliche Absicherung zur Verfügung."

Die deutsche Leoni AG hatte im vergangenen Jahr ihre eigenen Erfahrungen mit der Komplexität von Cyber-Risiken gemacht. Der Automobilzulieferer erlitt Schäden in Höhe von rund 40 Millionen Euro, als Betrüger gefälschte elektronische Dokumente dazu nutzten, um einen Manager dazu zu verleiten, Millionensummen auf ausländische Konten zu überweisen. Das Unternehmen verfügte zwar über eine Cyber-Versicherung, machte aber keinen Gebrauch von ihr, weil keine Computer-Systeme gehackt worden waren. (mb)