Die Zinsen gehen seit der Finanzkrise 2008 immer weiter in den Keller. Dennoch versuchen Lebensversicherer für Kunden, deren Kapital zu sichern und auch noch eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften. Ein immer aussichtsloseres Unterfangen, sodass Versicherer vermehrt die Höhe der Garantien senken, um auf diese Weise mehr Kapital in Assets stecken zu können, die anders als Rentenpapiere noch Renditen erwirtschaften. 

Das macht etwa die Allianz Leben, wie deren Chef Andreas Wimmer dem "Tagesspiegel" in einem Interview erklärt. "Wenn Sie heute eine Bundesanleihe für 100 Euro kaufen, kriegen Sie in zehn Jahren 95 Euro zurück. Das zeigt, was an den Kapitalmärkten los ist. Wenn wir in einer solchen Phase eine vernünftige Altersvorsorge anbieten wollen, müssen wir uns Spielräume in der Kapitalanlage schaffen. Um das tun zu können, verabschieden wir uns von der hundertprozentigen Beitragsgarantie", so Wimmer.

"Lebensversicherung muss weiterhin sicher und wertstabil sein"
Der Vorstandschef der Allianz-Lebenstochter betont weiter, dass Kunden trotz geringerer Garantie aber am Ende der Vertragslaufzeit eher mehr als weniger Geld erwarten können. Zudem müssten die Anleger verstehen, dass es bei Lebenspolicen einen Unterschied zwischen Sicherheit und Garantien gibt. "Eine Lebensversicherung muss weiterhin sicher und wertstabil sein. Auch wenn wir uns von der hundertprozentigen Beitragsgarantie verabschieden, bieten wir Sicherheit."

Um Kunden am Ende mehr auszahlen zu können, als sie einbezahlt haben, kauft die Allianz Staatsanleihen, die zwar sicher sind, aber keine Zinsen bringen, nur "immer mal wieder". Die Anlagestrategie beruhe aber nicht auf diesen Papieren: "Wir investieren verstärkt in alternative Anlagen, etwa in Infrastrukturprojekte. Aktuell legen wir beispielsweise 900 Millionen Euro an, indem wir in den Glasfaserausbau in Deutschland und in das portugiesische Gasnetz investieren. Damit wollen wir das Geld unserer Kunden langfristig in Investments stecken, die nicht jeden Tag im Wert schwanken, sondern über Jahrzehnte solide Erträge abwerfen", sagt Wimmer der Zeitung. Zudem würden acht bis zehn Prozent des Kapitals in Aktien stecken.

Ordentliches Geschäftsjahr für die Branche
Trotz Zinsmisere und Corona-Krise: Das Geschäftsjahr 2020 wird laut Wimmer kein schlechtes für die Allianz und die gesamte Branche. Seine Gesellschaft etwa habe in den ersten neun Monaten dieses Jahres netto 60.000 neue Kunden gewonnen. "Ich glaube, die deutschen Lebensversicherer werden mehr als 100 Milliarden Euro an Beiträgen einnehmen können. Das wäre das zweitbeste Ergebnis der vergangenen fünf Jahre." (jb)