Die Corona-Pandemie friert das öffentliche Leben in großen Teilen ein, nicht aber den Finanzvertrieb. "Von Schockstarre kann keine Rede sein", antwortet Thomas Wiesemann, der Maklervorstand der Allianz Leben, auf die Frage von FONDS professionell ONLINE, ob in der Lebensversicherung aktuell überhaupt ein relevantes Neugeschäft stattfindet.

"Ohne Auswirkung auf das Neugeschäft werden die weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die wir jetzt alle erleben, natürlich nicht sein", räumt Wiesemann ein. "Die Nachfrage nach effizienten Absicherungen von Lebensrisiken und Vorsorgekonzepten, die Renditechancen mit Sicherheiten kombinieren, wird aber durch die Corona-Pandemie sicher nicht weniger werden", betont er.

Kontakt und Neugeschäft über digitale Kanäle
Für die Allianz als Versicherer sei es wichtig, den Kunden und Vermittlern jetzt zu zeigen, dass das Unternehmen für sie da ist. "Wir informieren regelmäßig, nutzen dazu auch die Möglichkeiten der Digitalisierung, indem wir beispielsweise über Webkonferenzen in engem Austausch zu unseren Vertriebspartnern stehen", berichtet der Maklervorstand. Die Technologie ermögliche es, auch in der jetzigen Situation ohne jeden physischen Kontakt Beratungsgespräche anzubieten sowie Anträge zu erfassen und einzureichen. "Die Nutzung dieser Services nimmt derzeit stark zu", so Wiesemann.


Ein ausführliches Interview mit Thomas Wiesemann lesen Sie in FONDS professionell 1/2020 ab Seite 262. Dort äußert sich der Allianz-Leben-Vorstand auch zur Bedeutung der Makler für sein Unternehmen, zum geplanten Provisionsdeckel und zur Frage, ob der Konzern an seinem kategorischen Nein zu einem Run-off seiner Lebenspolicen festhält.


Wiesemann zufolge profitiert die Allianz aktuell davon, dass viele ihrer Vorsorgekonzepte Renditechancen mit Sicherungselementen kombinieren. "Das zahlt sich gerade in Phasen wie diesen sehr aus", meint er. Das Sicherungsvermögen der Allianz Leben als "Herzstück" der Angebote wirke als stabilisierendes Element und gleiche dadurch Schwankungen an den Kapitalmärkten aus. "Altersvorsorge braucht Stabilität und Verlässlichkeit. Und genau dies können wir unseren Kunden auch in dieser Extremsituation bieten", so Wiesemann.

Alternative Anlagen in einer Rentenpolice verpackt
FONDS professionell ONLINE wollte von Wiesemann auch wissen, was die Corona-Krise für das jüngste Lebensversicherungsprodukt des Konzerns bedeutet, die "Private-Finance-Police", die im Herbst 2019 im Vertrieb einen Blitzstart hingelegt hatte. Mit diesem Produkt haben Kunden an der Wertentwicklung alternativer Anlagen wie Infrastruktur oder Private-Equity im Allianz-Deckungsstock teil, was einerseits vergleichsweise hohe, unkorrelierte Renditen verspricht, andererseits aber mit Risiken verbunden ist: Die Anleger erhalten keine garantierte Verzinsung, keine Beitrags- und keine Mindestkapitalgarantie.

"In der derzeitigen Situation gibt es bei Produkten ohne Beitragsgarantien generell eine gewisse Zurückhaltung", weiß Wiesemann. "Wir beobachten die aktuellen Geschehnisse an den Märkten sehr genau, halten jedoch an unserer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie fest, die im Hinblick auf den sehr langfristigen Anlagehorizont und die breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Sektoren hinweg sehr solide aufgestellt ist." Er zeigt sich überzeugt davon, dass die Private-Finance-Police "ihre Rolle als stabilisierender Bestandteil des Kundenportfolios und als langfristig ausgelegtes Beimischungsprodukt ausspielen" könne. (bm)