Die Allianz Deutschland ist auf Wachstumskurs. Der Absatz stieg 2018 über alle Sparten um 5,5 Prozent auf den neuen Höchstwert von 36,4 Milliarden Euro. Zugleich ging das Geschäftsergebnis leicht um 1,4 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück, unter anderem wegen höheren Abschreibungen auf Kapitalanlagen. 2019 möchte Deutschlands größter Versicherer seinen Umsatz weiter erhöhen und die Geschäftsergebnisse auf dem Niveau stabilisieren. Dazu soll auch die Heimarbeit beitragen.

Die Gesellschaft setzt vor allem weiter auf Digitalisierung – eingeschlossen künstlicher Intelligenz –, aber auch auf das Vertriebsnetz aus den hauseigenen Agenturen. "Die DNA unseres Unternehmens muss im Kern voll digital werden. Im Kontakt mit dem Kunden zählen aber weiterhin die Beratungsstärke und die Kundennähe", sagt Klaus-Peter Röhler, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland, laut einer Pressemitteilung.

Kunden wollen mehr Digitalisierung
In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) führt Röhler dazu weiter aus, dass der Versicherer via Digitalisierung natürlich die Kosten drücken wolle – auch, um sich gegen künftige Konkurrente wie Amazon oder Google wehren zu können. Es dauere vermutlich nicht mehr lange, bis Versicherungsnehmer in großem Stil ihre Policen über Alexa von Amazon abschließen. Ferner sollen computergestützte Systeme auch die Effizienz steigern, etwa in der Gestaltung von Sachversicherungstarifen.

Allerdings entsprängen die Digitalisierungsbemühungen auch dem Wunsch der Kunden. "70 Prozent wünschen eine persönliche Beratung. Die Jüngeren erwarten, dass sie zusätzlich online oder über das Smartphone mit uns in Kontakt treten können", zitiert ihn die FAZ. Der Maßstab für die weitere Automation sei daher auch die Kundenzufriedenheit. Laut Röhler bieten bereits rund 35 Prozent der 8.300 Allianz-Agenturen Online-Beratungen und digitale Signaturen. Damit würden sie bei Kunden einen sogenannten Net Promoter Score (NPS) von 30 erreichen. Der NPS misst, wie wahrscheinlich Kunden eine Gesellschaft oder eine Dienstleistung Freunden oder Kollegen weiterempfehlen würden. 

My home is my office
Als weitere wichtige Voraussetzung für künftiges Wachstum sieht Röhler laut der Zeitung eine veränderte Arbeitsorganisation. 500 Mitarbeiter seien schon jetzt in Trainingszentren der Allianz beschäftigt, in denen "multidisziplinäre Teams" die Verantwortung für digitale Produkte wie die Online-Lebensversicherung Fourmore haben. Und: Der Chef der Allianz Deutschland wünscht, dass seine Mitarbeiter künftig häufiger zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten. Gewünschter Nebeneffekt: Die dadurch frei werdenden Büroflächen in Stuttgart könnten durch IT-Einheiten gefüllt werden, was die Innovationsfähigkeit noch weiter steigere. (jb)