Nettopolicen sind insbesondere im Bereich der Lebensversicherung weiterhin ein Nischenbereich, hatten die Versicherungsprofessoren Matthias Beenken, Fachhochschule Dortmund, und Heinrich Schradin, Universität Köln, in einer aktuellen Untersuchung vom Februar 2026 konstatiert.

Demnach haben lediglich zehn Lebensversicherer gemeldet, dass sie Nettotarife anbieten (2021: 13 Anbieter). Hochgerechnet auf das Neugeschäft der LV-Branche machen Nettotarife laut Stichprobe – rein indikativ – nur einen Bruchteil von 6,5 Promille aus (2021: 6,3 Promille). Bis auf eine Ausnahme eines sehr kleinen Lebensversicherers – gemeint ist My Life – erziele kein Anbieter einen nennenswert hohen Anteil seines Neugeschäfts mit Nettotarifen.

Stichprobe: Lebensversicherer stapeln tief
Die Redaktion befragte kürzlich die wichtigsten Anbieter privater ETF-Rentenversicherungen auf Honorarbasis: Allianz, Alte Leipziger, Condor, Continentale, LV 1871 und My Life. Das Ergebnis fiel in Sachen Transparenz unterschiedlich aus. Die Alte Leipziger ließ ausrichten, dass das Geschäft mit Nettopolicen nicht im Fokus stehe, deswegen nur einen sehr geringen Anteil am Neugeschäft ausmache und daher Fragen nicht sinnvoll beantwortet werden könnten.

Die Condor und deren Mutterhaus R+V sagten die Teilnahme ab, weil man sich im Maklermarkt seit diesem Jahr auf die betriebliche Vorsorge (keine Nettotarife) sowie die Absicherung biometrischer Risiken konzentriere und daher in der privaten Altersvorsorge kein Neugeschäft mehr mit Nettotarifen anbiete. Continentale und Allianz, die jeweils über eine starke Ausschließlichkeit verfügen, verwiesen lediglich auf den Wert der Beratungsqualität bei Brutto- und Nettopolicen.

Mehr Nettopolicen als erwartet
Das Analysehaus Ascore hat Ende Februar in seinem "Altersvorsorge-Scoring 2026" dagegen insgesamt 83 Nettotarife von 19 Anbietern ermittelt, darunter auch drei von Condor, elf von Alte Leipziger und sechs von Continentale – siehe folgende Tabelle. Diese Tarife umfassen Produkte der Teilsparten Basis-Sofortrente, aufgeschobene Basisrente, Direktversicherung, Unterstützungskasse, Riester-Rente, Grundfähigkeit, Kinder-Sparprodukt, Privat-Sofortrente sowie die aufgeschobene Privatrente.

Die Untersuchung enthält die aktualisierten Bewertungen von 43 Lebensversicherern. Insgesamt wurden 330 Tarife aus den genannten Bereichen überprüft, überarbeitet oder neu aufgenommen. Im Segment "Anlage & Vererbung" wurden zudem sechs Generationendepot-Tarife aktualisiert. Zu den Einzelergebnissen äußert sich Ascore nicht. Lediglich 0,6 Prozent der Tarife sind demnach schlechter als "gut". Fast alle Offerten finden sich in den ersten beiden Wertungsklassen ("herausragend" beziehungsweise "ausgezeichnet").

"Unser Ziel ist es, den Vorsorgemarkt transparent und vergleichbar zu machen", erklärt Tugce Yörükoglu, Versicherungsanalystin Leben von Ascore Analyse. Allerdings bestehen bei Nettotarifen gesetzgeberische Defizite. Eine Honorarordnung gibt es bislang nicht, ebenso wenig eine gesetzliche Klarstellung des Begriffs "Nettotarif". (dpo)


Auf welche Details Vermittler bei Nettopolicen achten sollten, lesen Sie in Ausgabe 1/2026 von FONDS professionell, die Ende März erscheint.