Wer dieser Tage noch eine Kapitallebensversicherung besitzt, muss sich der bitteren Realität stellen: Es gibt kaum Produkte, die sich aus Renditesicht lohnen. Die Kosten sind im Regelfall sehr hoch und die Kapitalanlagen aufgrund von Regulierung wenig ertragreich. Für neue Policen soll nun auch noch der Garantiezins ab 2021 auf 0,5 Prozent sinken, merkt Uwe Eilers an, Vorstand beim Finanzplaner FV Frankfurter Vermögen. 

Die 0,5 Prozent Garantiezins sind außerdem lediglich die Mindestrendite auf die Sparquote. "Das bedeutet, dass die Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die Kosten für die Absicherung der biometrischen Risiken zunächst herausgerechnet werden", erklärt der Anlageprofi. Nur das, was übrigbleibt – nicht selten maximal 90 Prozent der Anlagesumme – soll bei neuen Policen ab dem kommenden Jahr noch mit einem halben Prozent verzinst werden. "Wer nun jedes Jahr die 0,5 Prozent darauf rechnet, wird die Police rund 40 Jahre lang ansparen müssen, damit das Geld durchschnittlich 20 Jahre lang angelegt ist", sagt Eilers. Erst dann kommt man wieder auf seinen eingezahlten Betrag.

Stilllegen statt kündigen
Anleger sollten ihre Kapitallebensversicherungen trotzdem nicht überstürzt kündigen, sagt Eilers. "Sofern man steuerlich geförderte Policen besitzt, wie die Rürup-Basisrente, eine Direktversicherung oder die Riester-Rente, macht eine Kündigung selten Sinn, da dann umgehend eine komplette Versteuerung erfolgt", erklärt er. "Eher könnte dann eine Stilllegung sinnvoll sein." Die garantierten Renditen von Policen, die vor dem Jahr 2004 abgeschlossen wurden, seien zudem häufig noch attraktiv. "Alle anderen Renten- und Kapitallebensversicherungspolicen sollte man sobald wie möglich von einem unabhängigen Experten überprüfen lassen", rät Eilers.

Der Vermögensprofi sieht Kapitallebensversicherungen generell kritisch. So sei es etwa kaum möglich, ihre Erträge zu berechnen: "Allein die reinen Versicherungskosten für die Absicherung der biometrischen Risiken werden selten separat transparent dargestellt", erläutert er. Auch die Kosten für Vertrieb und Verwaltung der Verträge ließen sich schwer nachvollziehen. "Nicht selten werden am Ende der Laufzeit nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich versprochenen Gelder ausgezahlt", sagt Eilers. Sein vernichtendes Fazit: "Kapitallebensversicherungen sind klinisch tot." (fp)