Der Krankenstand in der Finanz- und Versicherungsbranche ist im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gestiegen. Insbesondere die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich deutlich erhöht. Das geht aus einer Auswertung des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung hervor, das Daten der AOK Rheinland/Hamburg ausgewertet hat, die mit drei Millionen Versicherten nach eigenen Angaben die achtgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland ist.

Der Untersuchung zufolge lag der Krankenstand bei den AOK-versicherten Beschäftigten aus der Finanz- und Versicherungsbranche im vergangenen Jahr bei 4,41 Prozent. 2017 hatte diese Quote nur bei 4,07 Prozent gelegen. Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versichertenjahre stieg damit von 1.484 auf 1.608 Tage – ein Plus von 8,4 Prozent.

Im Schnitt blieb im vergangenen Jahr jeder Beschäftigte des Finanzsektors also gut drei Wochen krank zuhause. Über alle Branchen hinweg lag der Krankenstand der AOK-Versicherten 2018 zwar bei 5,72 Prozent und damit klar höher, die Steigerung zum Vorjahr fiel mit 2,5 Prozent aber deutlich niedriger aus.

Stetige Zunahme seelischer Leiden
Verantwortlich für den Anstieg der Fehltage in der Finanzbranche und der Assekuranz sei unter anderem die stetige Zunahme seelischer Leiden, teilte die AOK auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit. Im Jahr 2016 sorgten psychische Erkrankungen noch für 328,9 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versichertenjahre, 2017 waren es dann 338,0 und 2018 schließlich 375,8 Tage. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Ausfalltage aufgrund von seelischen Leiden in der Branche also um 11,2 Prozent erhöht. "Dabei gab es bei der Fallzahl keinen Anstieg, aber die durchschnittliche Falldauer ist von rund 29 auf 33 Kalendertage gestiegen", teilte die Krankenkasse gegenüber der Redaktion mit.

Einen vergleichbar starken Anstieg der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gab es im vergangenen Jahr nur in wenigen anderen Sektoren. Explizit nennt die AOK die Versorgungs- und Entsorgungsbranche, den Kfz-Handel, Erzieher und Lehrkräfte. "Eine wichtige Rolle spielen dabei Veränderungen der Arbeitsbedingungen", schreibt die Krankenkasse. "So führen der Fachkräftemangel in Schulen und Kindertagesstätten, aber auch der Stellenabbau in der Finanz- und Versicherungsbranche zu einer stärkeren Belastung der Beschäftigten und einer höheren Anfälligkeit für daraus resultierende Erkrankungen."

"Mehr Flexibilität, Mobilität und ständige Erreichbarkeit erwartet"
Die Anforderungen an die Arbeitnehmer würden stetig steigen, sagte Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg. "Von ihnen werden zunehmend mehr Flexibilität, Mobilität und eine ständige Erreichbarkeit erwartet." (bm)