Vergangenes Jahr war ein glücklicher Ausrutscher. 2019 hatten die deutschen Lebensversicherter ihre laufenden Verzinsungen bei allen Produkten stabil gehalten. Für das laufende Jahr gingen sie wieder runter. Über alle analysierten Produktarten und Tarifgenerationen sinkt die laufende Verzinsung für 2020 im Marktdurchschnitt um 0,09 Prozentpunkte auf 2,74 Prozent, zeigt die nun veröffentlichte Studie der Kölner Ratingagentur Assekurata zu Überschussbeteiligungen. "Als Folge des verschärften Zinsniveaus 2019 stehen die Deklarationen klassischer Verträge wie erwartet erneut unter Druck", sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

Laut der Assekurata ist vor allem bei den jüngeren Verträgen ein spürbarer Rückgang der Verzinsung zu verzeichnen. Dagegen bleiben die Zinsen für die älteren Produkte weitgehend stabil. Grund hierfür seien die höheren vertraglichen Garantien, die die Kunden damals noch erhalten haben, und die nicht gesenkt werden dürfen, so die Ratingagentur. 

Auslaufmodell klassische Policen?
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mit 24 Unternehmen vertreibe gerade einmal die Hälfte der 47 Studienteilnehmer, die zusammen für 79 Prozent des Marktes stehen, überhaupt noch eine klassische private Rentenversicherung mit lebenslangem Garantiezins von aktuell 0,9 Prozent im Neugeschäft. "Die traditionelle Klassik rückt im Regal der Lebensversicherer offenbar immer weiter nach hinten", kommentierte Lars Heermann, Bereichsleiter für Analysen und Bewertungen bei der Assekurata. "Dies zeigen auch die Wachstumseinschätzungen der Anbieter für verschiedene Geschäftsfelder, welche wir wieder in bewährter Systematik abgefragt haben. Im Ergebnis legen fast alle Teilnehmer für die Klassik eine negative Erwartungshaltung an den Tag."

Deutlich optimistischer schätze die Branche die Wachstumschancen für neue oder moderne klassische Produkte ("Neue Klassik") ein. Zugleich bieten in diesem Jahr mit 28 Unternehmen (Marktanteil 61%) erstmals mehr Lebensversicherer einen neuen klassischen Tarif im Neugeschäft an als das traditionelle Pendant.

Neue-Klassik-Kunden erhalten ebenfalls geringere Überschüsse
Allerdings: Auch die "Neue Klassik" ist im aktuellen Zinsumfeld nicht vor Überschussabsenkungen gefeit. So haben die Anbieter neuer klassischer Produkte ebenfalls mehrheitlich die laufende Verzinsung abgesenkt, nur acht der 28 Unternehmen hielten sie stabil. Für 2020 liegt die laufende Verzinsung der betrachteten Tarife bei durchschnittlich 2,28 Prozent (Vorjahr: 2,40%) und damit leicht unterhalb der Klassik (2,29%).

Bei der Gesamtverzinsung und der illustrierten Beitragsrendite stellt sich dann jedoch ein Renditevorteil gegenüber der Klassik heraus. "Dies ist aufgrund des geringeren Garantieniveaus auch zu erwarten", kommentiert Heermann. (jb)