Die regulatorischen Perspektiven für Versicherungsmakler sind eine "unendliche Geschichte", fürchtet der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM). Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand, listete bei einem Fachgespräch in Hamburg unlängst verschiedene Regulierungsprojekte auf, die die Branche neben der LV-Provisionsdeckel-Diskussion weiter beschäftigen werden. Freie Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler würden jedenfalls allzubald keine Ruhe vor der Politik bekommen, prophezeite Jenssen. 

"Täglich grüßt das Murmeltier", könnte man sagen, so der BDVM-Chef. Unverändert seien es Ziele von Brüssel und Berlin, im Finanzsektor die Transparenz zu erhöhen, Interessenkonflikte zu vermeiden, die Rechtssysteme zu vereinheitlichen und den Anlegerschutz zu verbessern. Im Vertrieb gehe es vor allem um die Weiterentwicklung der IDD und das Vorantreiben der Priips-Initiative (Packaged Retail Investment Products) zu Versicherungsanlageprodukten (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Unverminderter Regulierungsdruck aus Brüssel
Auch die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat weitere Bürokratievorhaben auf der Agenda. Zusammen mit anderen EU-Behörden für Banken- und Wertpapieraufsicht wurde ein Konsultationspapier zur Verbesserung der Verordnung über verpackte Anlageprodukte veröffentlicht. Kern der Verordnung sind die Angaben zum dreiseitigen Kundeninformationsblatt, dem Priips-Basisinformationsblatt. Es enthält Vorschläge dazu, wie das Priips-KID und dessen Berechnungsgrundlage auf Investmentfonds übertragen werden kann (FONDS professionell ONLINE berichtete).

In Deutschland selbst komme die Regulierung ebenfalls nicht zur Ruhe. "Die Politik misstraut dem Vertrieb", konstatierte Jenssen. Daher sehe der Koalitionsvertrag vor, die Honorarberatung voranzutreiben. Derzeit sei zwar der Immobilienmakler im Visier, wo das Besteller-Prinzip ("wer bestellt, der bezahlt") im Mietbereich bereits vollständig umgesetzt und im Eigentumsbereich 50 zu 50 umgesetzt beziehungsweise in der Umsetzung sei.

Folgen des Provisionsverbots in den Niederlanden
Die Abschlussprovisionen für Versicherungsmakler dürften weiter unter Beschuss bleiben, fürchtet Jenssen. Dafür sorgten weitere Entwicklungen im Bereich Mifid II und IDD ebenso wie Provisionsverbote in mehreren Ländern, Verbraucherschützer und politische Strömungen in Deutschland. "Dabei müsste man bei den Provisionsverboten in anderen Ländern ganz genau hinschauen, um hierzulande Fehlentwicklungen zu verhindern", so Jenssen.

In den Niederlanden etwa würden 70 bis 80 Prozent der Altersvorsorgeberatungen von Banken vorgenommen, die dafür jeweils 200 bis 300 Euro als "Kampfpreis" vom Endkunden verlangen, gleichzeitig aber von den Versicherern häufig Beraterverträge für eine "werthaltige Vermögensberatung" wollten. Damit würden Makler, die 700 bis 800 Euro Honorar nehmen müssten, "zunehmend aus diesem Markt gedrängt – eine fatale Entwicklung", sagte Jenssen. Nicht zuletzt deshalb wünscht sich der BDVM von der Assekuranz hierzulande mehr gesellschaftspolitisches Engagement, um dem Misstrauen im Vertrieb und der Vorsorgemüdigkeit zu begegnen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Auch Verbraucherschützer machen weiter Druck
Verbraucherschützer erhöhten den Druck, um eine einheitliche Regelung im Finanzanlagen- und Versicherungsbereich hinzubekommen, hat der BDVM beobachtet. Man wolle rechtlich absichern, dass die Beratung hohe Qualität hat und im besten Kundeninteresse erfolgt – im Sinne von best advice. Finanzberatung wird dabei an zwei Voraussetzungen geknüpft, die Vermittler aufhorchen lassen müssten: eine einheitliche Rechtsgrundlage und Aufsicht unabhängig von der Art des Finanzprodukts sowie die einheitliche Regulierung der Beratung über alle kapital-ansparenden Produkte hinweg - von Rentenversicherungen über Bausparverträge bis zu Spareinlagen.

Der Versicherungsmakler alter Schule, der keine Finanzvermittlung für Privatkunden anbietet, gerate damit in Gefahr, verdrängt zu werden, merkt Jenssen an. Dadurch könnte nur noch zwei Beratertypen geben: den Versicherungs- und Finanzmakler sowie den Berater in Versicherungs- und Finanzangelegenheiten. "Das Auffächern in viele unterschiedliche Vermittlertypen hat in der Tat nicht die erhoffte Klarheit gebracht und kann kaum als Verbraucherschutz bezeichnet werden", gab Jenssen zu. Ein Fortschritt wäre die Reduktion auf zwei Beratertypen aber nicht, weil unverändert an die Vergütung und nicht an die Lagerzugehörigkeit angeknüpft würde.

Der BDVM plädiert dafür, dies zu vereinfachen und nur dadurch zu unterscheiden, ob ein Vermittler im Lager des Kunden oder im Lager des Versicherers/Produktgebers steht. Bei diesem "Österreichischen Modell" darf der Versicherungsmakler den Kunden sowohl gegen Courtage beraten und den Versicherungsvertrag vermitteln als auch diese Tätigkeiten gegen Honorar oder in einer Kombination der beiden Vergütungsformen ausüben.

Bafin sollte nur Richtlinie vorgeben
Die Aufsicht wollten Verbraucherschützer generell bei der Bafin sehen. "Die Umsetzungsphase beginnt", so Jenssen mit Blick auf den zügig geplanten Wechsel der Aufsicht für 34f-Vermittler weg von den IHK/Gewerbeämtern hin zur Bafin (FONDS professionell ONLINE berichtete). Der Aufsichtswechsel würde alle Versicherungsmakler betreffen, die neben ihrer 34d-Zulassung auch eine 34f-Zulassung für die Vermittlung von Finanzanlagen besitzen. Das sind rund 64 Prozent aller Branchenangehörigen. Der BDVM schlägt alternativ eine zweigeteilte Kontrolle vor. "Die Bafin sollte nur die Guideline vorgeben", sagt Jenssen, die materielle Aufsicht sollte bei den IHK bleiben.

Zum anderen sollten die IHKen professioneller aufgestellt und die teilweise Zuständigkeit der Gewerbeämter zurückgenommen werden, damit die IHKen noch besser als bisher vor Ort agieren können. "Das wäre einheitlich, kostengünstig und auch gut für Makler", betonte der BDVM-Chef. Eine Bafin-Aufsicht in der Fläche dagegen würde enormen zusätzlichen Aufwand bringen. "Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass kleine Vermittler nach Bonn fahren müssen, um mit der Bafin offene Fragen zu besprechen", so Jenssen. (dpo)