Die Versicherungswirtschaft ist besser als erwartet durch das Geschäftsjahr 2020 gekommen. Die Corona-Pandemie hat ihr das Gesamtergebnis nicht verhagelt. Eine dunkle Wolke am Horizont waren und sind Streitigkeiten um Betriebsschließungsversicherungen (BSV). Zahlreiche Gesellschafen hatten sich geweigert, Gastronomen und Hoteliers Umsatzeinbußen aufgrund des Covid-Ausbruchs zu ersetzen. In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) erklärt Thomas Buberl, Vorstandschef des französischen Versicherungsriesen Axa, warum Pandemien wie Covid-19 nicht allein von privaten Unternehmen abgedeckt werden können. 

"Grundsätzlich ist jedes Risiko versicherbar, man muss nur den richtigen Preis finden. Durch Corona sind wir aber mit neuen Risiken konfrontiert", so Buberl gegenüber der FAZ. Er nennt ein einfaches Beispiel: In einem Dorf leben zehn Personen, die sich im Krankheitsfall gegenseitig unterstützen. "Doch wenn alle zehn auf einmal krank werden, funktioniert das System nicht mehr. Diese Situation haben wir heute. Der Versicherungsmechanismus im traditionellen Sinne ist dafür nicht ausgelegt." Daher müsse man neue Lösungen finden.

Kooperation von Staat und Assekuranz erwünscht
Dem Axa-Chef zufolge geht es im Kern darum, wie die Assekuranz gemeinsam mit dem Staat ein Modell schafft, in dem sie einen Teil der privaten Versicherung einbringen, in der aber auch die öffentliche Hand eine deutlich größere Rolle spielt. "Die Signale der Regierungen sind grundsätzlich positiv, weil auch sie nicht mit einem Mal vor riesigen Kosten stehen wollen. Das ist auch eine Gelegenheit für uns, denn wir können das Feld der Versicherung deutlich erweitern", führt Buberl aus. 

Auch auf die Frage, ob nicht viele Gastronomen von den Versicherern wegen deren Zahlungsweigerungen enttäuscht waren, äußert sich der Axa-Chef. Buberl betont, dass es seinem Haus ebenso wie anderen immer darum gehe, im Interesse der Versicherten als Gesamtheit zu handeln. Dafür würden Verträge mit klaren Bedingungen geschlossen.

Aufgebauschte Debatte?
"Bei einem Großteil der Verträge ist eine Pandemie sehr klar ausgeschlossen. Da heißt es zum Beispiel: Wenn in der gleichen Region mehrere Restaurants aus dem gleichen Grund geschlossen werden, dann greift die Deckung nicht." Nur wenige Policen seien seiner Wahrnehmung nach nicht sehr eindeutig formuliert. "In Frankreich zum Beispiel reden wir etwa von weniger als 2.000 solcher Verträge. Wir sind zu all diesen Kunden gegangen – übrigens auch in anderen Ländern – und haben mit ihnen eine einvernehmliche Lösung gefunden." Die teils juristisch ausgetragenen Konflikte hielten sich arg in Grenzen. "Es ist allerdings besorgniserregend zu sehen, wie zwei oder drei Prozent der Fälle in den Medien einen Redeanteil von 90 Prozent bekommen", stellt Buberl fest. (jb/ps)