Die Pensionskasse der Caritas VVaG darf auf Geheiß der Finanzaufsicht Bafin kein Neugeschäft mehr annehmen. "Das Unternehmen kann gegenwärtig die Solvabilitätskapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Sanierungsplan (…) vorgelegt, der aus Sicht der Bafin unzureichend ist", teilte die Bonner Behörde am Dienstagvormittag mit. Eine solche Maßnahme hatte die Bafin in der jüngeren Vergangenheit noch nicht ergriffen, sagte eine Sprecherin der Aufsicht auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

"Der Pensionskasse wurde untersagt, neue Versicherungsverträge abzuschließen, bestehende Versicherungsverträge zu erhöhen oder weitere Personen in die Pensionskasse als Versorgungsberechtigte aufzunehmen", heißt es in der Mitteilung der Bafin. Nur einige spezielle Verträge sind von dem Verbot ausgenommen.

45 der insgesamt 137 Kassen haben Probleme
Den ursprünglichen Bescheid hatte die Behörde bereits am 11. Mai ausgestellt. Nun wurde der sogenannte "Widerspruchsbescheid" bestandskräftig, was die Aufseher zum Anlass nahmen, die Öffentlichkeit über den Vorgang zu informieren. Zuvor war zwar bekannt gewesen, dass die Bafin bei 45 der insgesamt 137 in Deutschland tätigen Pensionskassen finanzielle Probleme ausgemacht hat, Namen wollte die Behörde aber nicht nennen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Zahlreiche Pensionskassen leiden unter dem andauernden Niedrigzinsumfeld. Sie können die Leistungen, die sie ihren Kunden in besseren Zeiten zugesagt hatten, kaum noch erfüllen. Frank Grund, der Chef der Versicherungsaufsicht, hatte im Sommer gesagt, dass einige Kassen frisches Kapital brauchen, um ihre Zusagen einhalten zu können.

Eine "Herabsetzung der Leistungen" steht im Raum
Die Pensionskasse der Caritas und ihr Schwesterunternehmen Kölner Pensionskasse gehören zu den besonders betroffenen Gesellschaften. Die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) hatten ihre Mitglieder in den vergangenen Monaten bereits darüber informiert, dass wegen der "gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage" der Kassen eine "Herabsetzung der Leistungen" im Raum steht.

Wie geht es nun weiter? "Der verantwortliche Aktuar erarbeitet in enger Abstimmung mit der Bafin und dem Wirtschaftsprüfer einen Sanierungsplan, der von der Mitgliedervertreterversammlung beschlossen werden muss", teilte die Pensionskasse der Caritas auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit. Die Kasse sei nicht insolvenzfähig, deshalb werde der Fehlbetrag "satzungsgemäß durch den Eingriff in das Beitrags- und Leistungsgefüge" ausgeglichen. "Im welchem Umfang die Eingriffe erfolgen, steht erst fest, wenn der Sanierungsplan durch die Mitgliedervertreterversammlung beschlossen wurde", so das Unternehmen.

Neuer Mann an der Spitze
Für die Umsetzung dieser Maßnahmen ist ein neuer Mann an der Spitze zuständig: Seit dem 1. Dezember ist Olaf Keese Vorstandschef der Kölner Pensionskasse und Generalbevollmächtigter der Pensionskasse der Caritas. Ab Januar 2019 wird er auch dort den Vorstandsvorsitz übernehmen. Er löst den langjährigen Chef Christof Heinrich ab. Keese war Vorstand einer größeren Pensionskasse aus dem Sparkassenverbund und zuletzt Vorstand der Pensionskasse Peugeot Deutschland.

Die Pensionskasse der Caritas wurde vor mehr als 60 Jahren gegründet. Sie richtet sich an Mitarbeiter von Kirche und Caritas und deren Angehörige. Im Jahr 2002 gründete das Unternehmen die Kölner Pensionskasse als überbetrieblichen Anbieter in der betrieblichen Altersversorgung, der als Maklerversicherer mit unabhängigen Vermittlern kooperiert. (bm)