In jeder Branche gibt es ein paar schwarze Schafe. Die Versicherer bilden keine Ausnahme. Allerdings ist die offizielle Zahl derjenigen im Vergleich zur Gesamtzahl von rund 290.000 Mitarbeitern und circa 200.000 freien Vermittlern in der Assekuranz verschwindend klein: 212 Personen wurden im Jahr 2019 ertappt. 2018 waren es noch 302 gewesen, nach 329 im Jahr 2017 und 342 im Jahr 2016 (FONDS professionell ONLINE berichtete). Unter den 212 Personen befanden sich 142 gebundene Vermittler, je 21 Makler und Innendienstmitarbeiter, 15 angestellte Vermittler, acht Mehrfachvertreter und fünf produktakzessorische Vermittler.

Das geht aus der aktuellen Statistik zu den deutschen Erstversicherungsunternehmen im Jahr 2019 hervor, die die Finanzaufsicht Bafin jüngst veröffentlichte. Die Behörde spricht im Aufsichts-Jargon hier von "Unregelmäßigkeiten". Wie hoch die Dunkelziffer der unentdeckt gebliebenen Betrügereien ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

Schadenssumme gesunken
Der finanzielle Schaden, den die Mitarbeiter verursachten, belief sich auf 5,5 Millionen Euro. Das ist wesentlich weniger als in den Vorjahren. Damals haben Handelsvertreter, Makler und Angestellte die Versicherer um 10,8 Millionen Euro (2018) und 13,7 Millionen Euro (2017) geprellt. Die höchsten Beträge veruntreuten im vergangenen Jahr die gebundenen Vermittler der Versicherer, gefolgt von den Innendienstmitarbeitern: Die Ausschließlichkeitsvertreter steckten in Summe 2,1 Millionen Euro in die eigenen Taschen, die Büroangestellten 1,9 Millionen Euro. Makler "nahmen" 1,2 Millionen Euro mit.

Aus der Statistik der Bafin geht ferner hervor, dass sich vor allem fünf Innendienstmitarbeiter unrechtmäßig bereichert haben. In einer Analyse, in der ausschließlich Veruntreuungen ab einer Summe von 50.000 Euro geführt werden, kam heraus, dass alleine diese fünf 1,46 Millionen Euro veruntreuten. Im Schnitt entnahm jeder also 300.000 Euro. Vier Makler haben in Summe eine Million Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet – rechnerisch also eine Viertelmillion Euro pro Kopf. 

Wieder viele fingierte Verträge 
Die höchsten Summen wurden in der Lebensversicherung veruntreut (2,8 Mio. Euro). Im Schaden/Unfall-Bereich waren es knapp 1,7 Millionen Euro und "nur" 273.000 Euro in der Krankenversicherung. Zu den Tatmodalitäten vermerkt die Aufsicht, dass in 31 Fällen fingierte Verträge abgeschlossen wurden, die in Summe knapp 1,6 Millionen Euro an Schaden verursachten. 13 Manipulationen von Schäden kosteten die Versicherer 700.000 Euro. Außerdem listet die Bafin 20 Fälle unter "Sonstige Tatmodalitäten". Damit erbeuteten die Täter rund zwei Millionen Euro. (jb)