Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist das bislang am stärksten geförderte und damit attraktivste Produkt für die kapitalgedeckte Altersversorgung. "Die dreifache Förderung durch Sozialabgaben- und Steuerersparnis sowie durch zusätzliche Arbeitgeberzuschüsse macht sie einzigartig und sehr attraktiv", findet Michael Hauer. Ihr Facettenreichtum bedarf allerdings einer guten Beratung, "die Details der Tarife und deren Hochrechnungsmethoden beinhalten sollte", so der Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) weiter.

Dazu dient auch das inzwischen 15. Rating betrieblicher Direktversicherungen, die zur Entgeltumwandlung angeboten werden, das jetzt vom IVFP vorgelegt wurde. Untersucht wurden 76 Tarife von 34 Anbietern (2024: 40) auf über 90 Kriterien. Die Einteilung der Tarife erfolgt dabei in die Kategorien "Klassik" (mit beitragsorientierter Leistungszusage – BolZ), "Klassik Plus" (BoLZ), "fondsgebunden mit Garantien" (BoLZ), "Comfort" (gemanagte Policen) und "Indexpolicen". Zudem untersucht das Institut alle zwei Jahre per Rating die Anbieter mit der größten bAV-Kompetenz (externer Link). Im Vorjahr hatte dies auch das Analysehaus Morgen & Morgen erstmals getan.

Nur die besten Angebote publiziert
Die Gesamtnote setzt sich aus vier Teilbereichsnoten zusammen: Unternehmensqualität (25 Prozent Gewichtung), Rendite (40 Prozent), Flexibilität (25 Prozent) sowie Transparenz/Service (10 Prozent). Die Ergebnisse werden mit drei Noten – "exzellent", "sehr gut" oder "gut" – bewertet, und die Versicherer sind innerhalb der Gesamtnoten alphabetisch sortiert.

In den fünf verschiedenen Kategorien werden die jeweils "exzellent", "sehr gut" oder "gut" bewerteten Service-Versicherer (Versicherer mit vertrieblicher Beratung, also keine Anbieter mit Direktvertrieb) aufgelistet. Das IVFP verzichtet darauf, Tarife auszuweisen, die eine schlechtere Benotung als "gut" bekommen. Dadurch soll einer negativen Berichterstattung über Anbieter entgegengewirkt werden, deren Tarifstrukturen sich beispielsweise noch im Aufbau befinden, die sich aber dennoch bereit erklärt haben, am Rating teilzunehmen, erklärt Hauer. 

Wer die Top-Angebote hat
"Exzellent" in allen fünf Produktkategorien schnitt kein einziger Lebensversicherer ab. In drei Bereichen "exzellent" schafften Direktversicherungstarife von Allianz, Ergo Vorsorge und Württembergische. Interessant aus Makler- und Kundensicht sind im Prinzip nur noch Comfort-Tarife und fondsgebundene Tarife mit Garantien. Erstere dienen dazu, die Komplexität auf Produktebene zu verringern. "Diese Anlagekonzepte, deren komplettes Management der Versicherer übernimmt, helfen aus Sicht des IVFP in der Beratung, um Arbeitgebern wie Arbeitnehmern etwas die Scheu zu nehmen", so Georg Goedeckemeyer, Leiter Rating beim IVFP.  

Die Anzahl an Comfort-Tarifen liegt in der bAV bei über 25 Prozent der angebotenen Tarife insgesamt und ist damit ungleich höher als etwa in der Privatrente, beobachtet das IVFP. "Exzellente" Anbieter unter 18 gelisteten Tarifen sind aktuell Allianz, Axa, Bayern-Versicherung, Ergo Vorsorge, HDI, Metallrente, Stuttgarter und Württembergische.

Meiste Angebote bei Fondspolicen mit Garantien
Erwartungsgemäß gibt es die meisten Angebote (26) in der fondsgebundenen Direktversicherung mit Garantien, weil sie auf lange Sicht das höchste Renditepotenzial besitzt. "Vergleicht man fondsgebundene Alttarife mit den aktuell gültigen, so sind inzwischen mehr moderne Anlageinstrumente im Angebot als noch vor fünf Jahren", beobachtet Goedeckemeyer. Rebalancing, Ablaufmanagement oder die Vielfalt in der Fondsanlage werteten die Entscheidungsmöglichkeiten für Verbraucher auf.  

Insgesamt zehn Tarife von diesen neun Service-Versicherern sind "exzellent" bewertet worden: Allianz, Alte Leipziger, Axa, Continentale, Ergo Vorsorge, LV 1871, Signal Iduna, Stuttgarter und Württembergische. In allen vier Teilbereichen des Ratings schafften diese Note nur Axa (Relax bAV-Rente), Ergo Vorsorge (Ergo Betriebs-Rente Dynamik IPV) und LV 1871 (Mein Plan FRV). Darüber hinaus befand das IVFP 16 Tarife für "sehr gut" und zwei Tarife für "gut".

Ursache für fehlende Fondspolicen ohne Garantien
Fondsgebundene Direktversicherungen ohne Garantie werden im IVFP-Rating nicht untersucht, obwohl sie das höchste Renditepotenzial von allen Produktvarianten bieten. Das liege daran, dass die arbeitsrechtliche Zusage in der Direktversicherung Garantien verlangt, auch bei einer BoLZ, hieß es vom IVFP auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. "Bei Entgeltumwandlung verlangt das Bundesarbeitsgericht (BAG) eine wertgleiche Anwartschaft", erklärt Hauer. Die sei laut BAG-Urteil vom 15. September 2009 gegeben, wenn der Arbeitgeber die Entgeltumwandlungsbeiträge an den Versorgungsträger abführt und eine werthaltige Versorgungsleistung herauskommt.

"In der Literatur wird eine Untergrenze von 50 Prozent der Beitragssumme als werthaltige Versorgungsleistung genannt", so Hauer weiter. Daraus ergebe sich der Zwang zu Garantiekomponenten in der Direktversicherung. "Wenn man auf die aktuell unabdingbare Garantiebedingung verzichten könnte, wäre natürlich ein höheres Renditepotenzial vorhanden", sagt Hauer. Diese Garantiebedingung gebe es bei privaten Fondspolicen nicht. Das IVFP beziehe daher bei seinem Rating zur Privatrente Fondspolicen ohne Garantien ein (externer Link). (dpo)


Im Internet (externer Link) können alle Rating-Ergebnisse kostenlos eingesehen werden, ebenso in der Vergleichssoftware fairgleichen.net (externer Link), wo sich auch verschiedene Tarife miteinander vergleichen lassen. Die Rating-Methodik ist hier einsehbar (externer Link).