Kaum kommt das Projekt der Bundesregierung, eine säulenübergreifende, digitale Rentenübersicht zu schaffen, endlich voran, da hagelt es auch schon Kritik. Der Bund der Versicherten (BdV) bezeichnet den "Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Transparenz in der Alterssicherung", den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Ende Juli 2020 vorgelegt hat, als "Stückwerk". Schließlich würden nur Teile der privaten Altersvorsorge erfasst – und zwar ausgerechnet die Angebote der Lebensversicherer.

Eine digitale Rentenübersicht, auch Online-Rentenkonto genannt, soll es den Bundebürgern ermöglichen, künftig auf einen Blick zu erkennen, welche Rentenbezüge sie später einmal zu erwarten haben. Dafür sollen die Ansprüche aus der gesetzlichen, der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge aufgeführt werden. Nach den aktuellen Plänen soll die digitale Rentenübersicht bereits im Herbst 2020 an den Start gehen.

Falscher Eindruck
Der BdV begrüßt das Vorhaben der Bundesregierung zwar grundsätzlich, bemängelt jedoch, bei den privaten Sparformen würden lediglich Versicherungsprodukte erfasst. Fonds und Fondssparpläne blieben – außer als Riester- oder Rürup-Verträge – weitgehend außen vor. "Damit wird der Eindruck geschaffen, dass man nur mit Lebensversicherungen private Altersvorsorge betreiben könne", lässt sich BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein in einer Pressemitteilung zitieren. Angesichts der schlechten Verfassung der Lebensversicherer sei dies umso fataler.

Die geplante Ausgestaltung der Rentenübersicht vermittele den Eindruck, dass Lebensversicherer ein Monopol auf die private Altersvorsorge hätten. Zudem werde eine Sicherheit suggeriert, die so nicht mehr bestehe. "Bei vielen privaten Rentenversicherungen haben sich die Lebensversicherer sowohl beim Zins wie auch bei der Sterbetafel zum Schaden der Versicherten verkalkuliert", heißt es in der Pressemitteilung des BdV. Das blende die geplante Rentenübersicht aber aus.

Verbraucherschützer melden Bedenken an
Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Dachverband der Verbraucherzentralen, hat bereits Bedenken an den Plänen für ein Online-Rentenkonto angemeldet. Eine übergreifende Renteninformation sei zwar zu begrüßen. Im Zweifel könnte sie den Altersvorsorge-Anbieter aber eher als Vertriebstool dienen, statt Bürger tatsächlich unabhängig und umfassend über ihre Rentenansprüche aufzuklären. (am)