Spezialisierte Versicherungsmakler finden keine ausreichenden Kapazitäten mehr bei Versicherern, um ihre Gewerbe- und Industriekunden mit ausreichend Versicherungsschutz zu versorgen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Versicherungsforen Leipzig im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler (BDVM), die der Verband vor Kurzem auf dem BDVM-Symposium 2025 in Berlin vorgestellt hat.

An der Studie "Deckungsnotstand in der Gewerbe- und Industrieversicherung" (externer Link) beteiligten sich 128 Maklerfirmen unter den rund 750 BDVM-Mitgliedern. Die Befragten schätzen die aktuelle Kapazitätslage besonders im Industriebereich als schwierig ein und sprechen in diesem Zusammenhang sogar von Deckungsnotstand. 47 Prozent stufen das Geschäft als "schwierig", 29 Prozent sogar als "sehr schwierig" ein. Weitere 19 Prozent beobachten zumindest punktuelle Engpässe. Betroffen seien Versicherungslösungen für große Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen mit komplexen oder internationalen Risiken.

Lage im Gewerbebereich etwas entspannter
Entspannter sei die Lage in der Gewerbeversicherung, deren Zielgruppe kleine und mittlere Unternehmen sind. In diesem Bereich sehen vier Prozent der Makler sehr schwierige Verhältnisse, weitere 24 Prozent sprechen von einem schwierigen Umfeld. 49 Prozent der Teilnehmer berichten von punktuellen Engpässen – etwa in bestimmten Sparten oder Branchen. Kapazitätsengpässe der Versicherer beginnen bei Schwellenwerten von zehn Millionen Euro Deckungssumme, sagen knapp 20 Prozent der befragten Makler.

"Unsere Studie zeigt deutlich, dass die Kapazitätsengpässe in der Gewerbe- und Industrieversicherung kein vorübergehendes Phänomen sind und inzwischen auch bei mittelständischen und kleineren Maklern spürbar sind", sagte Thomas Billerbeck, Präsident des BDVM, auf dem Symposium. Besonders betroffen seien zentrale Wirtschaftsbranchen wie die Abfallwirtschaft und das Recycling, aber inzwischen auch Lager-, Lebensmittel- und Immobilienrisiken. "Wenn Unternehmen keine ausreichende Absicherung finden, gefährdet das den Wirtschaftsstandort", warnt Billerbeck. Bereits vor zwei Jahren hatte der BDVM von einem harten Markt im Industrie- und Gewerbebereich gesprochen, wo bei Bedarf unliebsame Kunden, ganze Bestände oder gar ganze Sparten von den Versicherern auf den Prüfstand gestellt werden. 

Die schlimmsten Engpässe beim Schutz
Die größten Engpässe beim Versicherungsschutz sehen die Befragten bei der Absicherung gegen Feuer, Explosion, Blitzschlag und Leitungswasserschäden (80 Prozent), Betriebsunterbrechung (63 Prozent), bei Naturkatastrophen (44 Prozent) sowie bei Cyber- und sonstigen IT-Risiken (30 Prozent).

Gründe seien unter anderem neue technische Risiken wie Photovoltaikanlagen oder Ladestationen für Elektroautos. Zudem gelten bestimmte Branchen mit erhöhter Brandgefahr – etwa die Galvanik – als zunehmend schwer versicherbar. Oft verlangten die Versicherer sehr strenge Brandschutz-Konzepte, bevor sie Schutz gewähren. Am häufigsten treten Deckungsprobleme laut Umfrage in Abfallwirtschaft und Recycling auf, sagen 66 Prozent der Befragten, gefolgt von der Rohstoffwirtschaft (38 Prozent; insbesondere Holz), Lagerwirtschaft und Logistik (34 Prozent) sowie Chemie (27 Prozent).

Ursachen für knappe Kapazitäten
Die Hauptursachen der Kapazitätsengpässe werden von den befragten Maklerhäusern insbesondere in der strengeren Risikoselektion durch die Versicherer gesehen (79 Prozent). Makler berichten von steigenden Prämien, höheren Selbstbeteiligungen und strikteren Bedingungen für den Versicherungsschutz. Als zweitwichtigste Ursache wird der geringere "Risikoappetit der Versicherer" ausgemacht (64 Prozent) – etwa durch strengere Zeichnungsrichtlinien, höhere Anforderungen an das Risikomanagement oder den Rückzug aus bestimmten Branchen (siehe auch folgende Grafik).

Quelle: Versicherungsforen Leipzig / BDVM

Der Deckungsnotstand hat für Unternehmen vor allem finanzielle Folgen, insbesondere steigende Prämien und Selbstbeteiligungen. Makler reagieren laut Umfrage auf diese Situation, indem sie frühzeitig in die Kommunikation mit ihren Kunden gehen, sagen 70 Prozent der Makler, sowie auch in die Kommunikation mit Versicherern (67 Prozent; Mehrfachnennungen erlaubt). Zudem erweisen sich erweitertes Risikomanagement und Präventionsberatung (49 Prozent) als Top-Maßnahmen beim Umgang mit Kapazitätsengpässen.

Kooperationen und Risikoverteilung im Kommen
Der Erfolg von Verhandlungen mit Versicherern wird offenbar maßgeblich von der Größe des Maklerhauses beeinflusst. Je größer, desto verhandlungsmächtiger, meinen 85 Prozent der Befragten. Kritisch wird dabei die Bevorzugung von Großmaklern auch bei schlechterer Risikoqualität angemerkt. Andererseits seien 20 Prozent der Befragten bereit, wegen des Deckungsnotstandes auch mit anderen Maklern und Maklerpools zu kooperieren. Erhöhte Selbstbeteiligungen der Kunden im Schadenfall oder reduzierte Versicherungssummen halten 40 Prozent für akzeptabel, um eine Deckung des angefragten Risikos bei den Versicherern zu beschaffen.

Leichter wird die Arbeit für Makler dadurch nicht. Im Gegenteil: Um Kapazitätsengpässen zu begegnen, nutzen 47 Prozent der Befragten Beteiligungen der Versicherer – also die Risikoverteilung auf mehr als einen Versicherer –, 30 Prozent unterstützen Firmenkunden bei Präventionsmaßnahmen und zwölf Prozent arbeiten mit Assekuradeuren zusammen. Letzteres ist nicht ganz ohne Risiko, wie die Cogitanda-Insolvenz zeigt. Besonders das Beteiligungsgeschäft führt zu erheblichem administrativen Mehraufwand: Der Trend zu mehr Versicherern pro Police erhöht die Komplexität deutlich, da unterschiedliche Prämiensätze, Selbstbehalte und Bedingungen koordiniert werden müssten. (dpo)