Die Wefox Group hat nach eigenen Angaben eine Finanzspritze in Höhe von sagenhaften 125 Millionen US-Dollar (110 Mio. Euro) erhalten. "Leadinvestor" bei der im Fachjargon "Series B" genannten Finanzierungsrunde ist die Mubadala Investment Company. Der milliardenschwere Staatsfonds von Abu Dhabi investiert mit seinem Mubadala European Ventures Fonds in das Berliner Insurtech mit Schweizer Wurzeln.

Hinzu gesellt sich Goldman Sachs an der auch in Österreich aktiven Gesellschaft, die den Online-Maklerpool Wefox und den Digitalversicherer One betreibt. Die Investmentbank hatte auch die Organisation der Geldeintreiberei übernommen. Als dritter neuer Investor ist das chinesische Finanzunternehmen Creditease dabei. Zu den bisherigen Geldgebern gehören unter anderem Horizons Ventures, idinvest Partners, Mountain Partners, SpeedInvest,Seedcamp, Salesforce Ventures sowie Sound Ventures, das Venture-Capital-Vehikel von Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher. 

"Wollen größte Versicherungsgesellschaft der Welt werden"
Wefox, 2014 gegründet, konnte seine Umsätze zuletzt auf rund 40 Millionen US-Dollar steigern. Mehr als 1.500 Versicherungsmakler und über 400.000 Kunden machen das Insurtech nach eigenen Angaben zur Nummer eins unter den europäischen Plattformen. "Die Versicherungsbranche ist bereit für einen radikalen Wandel. Wir haben damit die Gelegenheit, alle Versicherer weltweit in unsere Plattform zu integrieren und die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu werden", kommentiert Julian Teicke, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Wefox-Gruppe, die erfolgreich absolvierte Finanzierungsrunde.

"Daher ist Mubadala der perfekte Partner für uns, denn sie verstehen ganz genau, dass der Versicherungsmarkt von Grund auf neu erfunden werden muss. Das haben wir bereits mit One Insurance bewiesen. Wir sind im Begriff, Europas führender Anbieter von All-In-One-Versicherungslösungen zu werden, die für die Kunden jederzeit und überall zugänglich sind."

173 Millionen Dollar für deutsche Insurtechs
Simultan zur Bekanntgabe, dass Wefox erfolgreich frisches Geld eingesammelt hat, hat Finanzchef24 eine Studie über die Finanzierung deutscher Start-ups im Versicherungsbereich vorgelegt. Laut einer Meldung des Branchendienstes "Versicherungswirtschaft heute" (VWH) flossen 2018 insgesamt etwa 173 Millionen Dollar an bundesdeutsche Insurtechs. Das meiste Geld erhielten die beiden Digitalversicherer Coya und Element, so VWH unter Berufung auf die Studie des Online-Portals für Gewerbeversicherungen.

Zwar, so die Studie weiter, seien viele Online-Makler und Digitalversicherer mit hochfliegenden Plänen gestartet, litten aber nach wie vor unter chronischem Kundenmangel. Die Basler-Online-Tochter Friday verkaufte zwischen April und Dezember 2017 eigenen Angaben zufolge mehr als 15.000 Kfz-Policen. Der Autoversicherer Nexible nahm bis Jahresende 2017 rund 20.000 Fahrzeuge unter Vertrag, die Beitragseinnahmen näherten sich der Zehn-Millionen-Euro-Grenze. Die W&V-Digitalmarke Adam Riese, die Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherungen vertreibt, hat nach eigenen Angaben einen Stamm von "mehreren zehntausend Kunden" gewinnen können. Der digitale Private-Krankenversicherer Ottonova hatte Ende 2018 nur eine dreistellige Zahl an Kunden vorzuweisen. Zum Vergleich: Die beiden Branchenriesen Allianz und Huk Coburg haben 2015 gemeinsam mehr als 15 Millionen Autos unter Vertrag.

Von den vielen Insurtech-Herausforderern, die einst mit einem digitalen Versicherungsorder auf Kunden- und Provisionsfang gingen, haben sich einige verabschiedet oder ihr Geschäftsmodell geändert. Dazu zählt auch Wefox, das ganz zu Beginn ebenfalls einen solchen Ordner anbot. (jb)