Bestehende Vorerkrankungen oder zu hohe Beiträge für den ausgeübten Beruf machen die Absicherung mit einer selbstständigen BU-Police oft schwierig. Hier kann allerdings ein versierter Makler durchaus den Versicherungsschutz eindecken, indem er bei mehreren Versicherern Voranfragen einholt. Mitunter hilft auch ein guter Draht zum Vorstand, um dem Kunden doch noch zu BU-Schutz zu verhelfen.

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat jetzt selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen (SBU) einem Rating anhand von über 100 Kriterien unterzogen. Neuerdings haben die Versicherer in der Flexibilität der Tarife nachgelegt. "Eine Berufswechseloption oder eine Anpassung an die Regelaltersgrenze der GRV - beides am besten ohne Gesundheitsprüfung - sind Tarifbausteine, die nun überwiegend angeboten wer-den", sagt Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP.

Um möglichst realistische Ergebnisse zu liefern, berücksichtigt das Rating  unterschiedliche Musterfälle in sechs Berufsgruppen: Kaufmännische Berufe, Selbstständige, Studenten, Azubis, medizinische Berufe und Handwerker. Insgesamt wurden 40 Tarife (2018: 37) in den Ratingbereichen Unternehmen, Preis-Leistung, Flexibilität und Transparenz untersucht.

Wie im Rating gewichtet wurde
Der Fokus liege im Bereich Preis/Leistung, der mit einer Gewichtung von 50 Prozent am höchsten in die Bewertung einfließt. Es wurden verschiedenste Fallkonstruktionen von Musterfällen definiert, um möglichst realistische Berechnungen durchzuführen, die auch vermeintlich "schlechtere Risiken" berücksichtigen.

"Diese Vorgehensweise unterstreicht den ganzheitlichen und realitätsnahen Ansatz", erläutert Hauer. Besonderes Augenmerk liege auch auf den Teilbereich Unternehmensqualität, der mit 20 Prozent berücksichtigt wird. Flexibilität und Transparenz fließen mit 20 Prozent bzw. 10 Prozent in das Ergebnis ein. Zudem könnten Makler im frei zugänglichen Vergleichsportal Fairgleichen.net neuerdings auch unterschiedliche BU-Tarife nach persönlichen Bedürfnissen gegenüberzustellen und damit für mehr Transparenz sorgen.

Die Besten BU-Tarife am Markt
Ergebnis: Über alle sechs Berufsgruppen hinweg und in allen Teilbereichen hat nur die Allianz exzellent (fünf Sterne) abgeschnitten (Tarif BerufsunfähigkeitsPolice) – außer beim Preis-Leistungs-Verhältnis beim Tarif für Selbstständige sowie für Handwerker. Weitere exzellente Tarife (in allen Teilbereichen) sind:

  • Kaufmännische Berufe: Hannoversche (Tarif Berufsunfähigkeitsversicherung);
  • Selbstständige: LV 1871 (Golden BU), Swiss Life (SBU), Hannoversche (BU-Versicherung);
  • Studenten: LV 1871 (Golden BU), Hannoversche (BU-Versicherung);
  • Auszubildende: Swiss Life (SBU);
  • Medizinische Berufe: LV 1871 (Golden BU), Swiss Life (KlinikRente.BU), Hannoversche (BU-Versicherung), Europa (BU-Versicherung);
  • Handwerk: LV 1871 (Golden BU), Hannoversche (BU-Versicherung), Europa (BU-Versicherung).

Viele weitere Anbieter schafften eine exzellente Gesamtnote. Informationen zur Ratingmethodik sowie die detaillierten Ergebnisse sind für Interessierte auf der IVFP-Homepage nachzulesen.

Die kompetentesten BU-Versicherer
Kürzlich hatte das IVFP auch die kompetentesten BU-Versicherer ermittelt. Das BU-Kompetenz-Rating ist eine interaktive Analyse, bei der nichtöffentliche, sensible Daten direkt von den Gesellschaften an das IVFP geliefert werden, um eine adäquate Bewertung vornehmen zu können. Im Rating werden die Versicherer anhand von über 70 Einzelkriterien geprüft und bewertet.

Die Gesamtbewertung ergibt sich aus vier Teilbereichen – dem BU-Geschäft und der Leistungsprüfung mit einer Gewichtung von jeweils 30 Prozent sowie der Antragsprüfung und dem Service mit jeweils 20 Prozent. Ergebnis: Fünf von der sieben untersuchten BU-Versicherern erhielten die Höchstnote von fünf Sternen (exzellent): Axa, HDI, LV 1871, Swiss Life und Zurich. Vier Sterne (sehr gut) bekamen Stuttgarter und Volkswohl Bund. Details zum Rating-Verfahren und die Ergebnisse im Überblick gibt es online.

So wenige kompetente Anbieter?
Warum nur so wenige Anbieter auf ihre BU-Kompetenz bewertet wurden, begründet IVFP-Chef Hauer so: Es gehe nicht nur um eine reine Abfrage von Kriterien, sondern bei den Fragen inhaltlich in die Tiefe, verbunden mit intern beachtlichem Aufwand. "Die Ressourcen dafür sind aktuell nicht bei allen Versicherern vorhanden."

Insgesamt seien zwölf BU-Versicherer untersucht worden. Dass nicht alle Ergebnisse veröffentlicht wurden, habe unterschiedliche Gründe. Manchmal sei die Ermittlung aller notwendigen Daten nicht möglich, manchmal die Ergebnisse zu schlecht. "Unser Prinzip ist, in Ratings generell nur Namen von Gesellschaften zu veröffentlichen, die mindestens eine sehr gute Gesamtnote, also vier Sterne, schaffen", erklärt Hauer.

Immer noch zu geringe Rentenhöhe versichert
In der Praxis werden im Schnitt mit neu abgeschlossenen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeits-Verträgen durchschnittlich nur 10.692 Euro pro Jahr versichert (Stand 2018). Das sind lediglich 891 Euro pro Monat, bestätigte der GDV auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. Im Bestand seien es gar nur 690 Euro.

Spezialmakler wissen: Abgespeckte Invaliditätsprodukte sind im Vergleich zu einer BU-Police bei ein und demselben Anbieter oft um die Hälfte billiger, dennoch findet sich auf dem Markt fast immer eine BU-Police eines anderen Anbieters, die sich preislich auf für den Kunden tragbarem Niveau bewegt. "Kommt das nicht in Betracht, sollte der Vermittler mit dem Kunden über alternative Produktkonzepte sprechen", rät Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Dort hatte man 1995 das erste BU-Rating am deutschen Markt publiziert. (dpo)