Viele Unternehmen haben die bKV als besondere Form der Krankenzusatzversicherung, die ein Arbeitgeber für seine Belegschaft als Gruppenversicherung abschließen kann, fest in das Portfolio ihrer freiwilligen Sozialleistungen aufgenommen, Tendenz steigend (FONDS professionell ONLINE berichtete). Laut PKV-Verband stieg die Zahl der Beschäftigten, die eine bKV nutzen, 2019 um acht Prozent auf rund 820.000 Personen. Auch die Zahl der Firmen, die ihren Mitarbeitern eine solche Vorsorgelösung anbieten, legte im vergangenen Jahr zu: um 32 Prozent auf 102.00 Unternehmen. Doch die Umsetzung ist nicht ganz einfach.

"Schon die Vertragsgestaltung verlangt entsprechende Kompetenz von den Versicherern, um Arbeitgebern ein individuelles Angebot unterbreiten zu können", sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). "Die bKV stellt einen komplexen Sachverhalt ab", fügt er hinzu. Das könnten nicht alle Gesellschaften gleich gut leisten, wie das jüngste bKV-Kompetenz-Rating des IVFP zeigt.

Luft nach oben bei der Teilnahme
Insgesamt wurden zwölf Versicherer von derzeit rund 30 Anbietern beleuchtet. Die Untersuchung stützt sich auf vier Teilbereiche: Beratung, Vertragsgestaltung, Service und Verwaltung sowie Produktportfolio, die jeweils mit 25 Prozent Anteil in die Gesamtwertung einfließen. Um knapp 70 Einzelkriterien beurteilen zu können, sei ein sehr enger Austausch mit den Versicherern nötig. Diese Tiefe könnten Produkt-Ratings in diesem Bereich nicht bieten, so Hauer.

Die Versicherer erhielten im Rahmen des Ratings die Noten exzellent, sehr gut oder gut. Sieben Gesellschaften bekamen die exzellente Bestnote (in alphabetischer Reihenfolge): Allianz, Axa, Bayerische Beamtenkrankenkasse, DKV, Hallesche, R+V und Süddeutsche. Sehr gut wurden Central, Signal Iduna sowie Württembergische beurteilt. Zwei nicht namentlich genannten Anbietern bescheinigten die Prüfer ein gutes Ergebnis. Die Resultate samt allen vier Teilbereichsnoten stehen online zur Verfügung. Bewertungsgrundsätze und Rating-Systematik gibt es hier.

Vertriebshilfe: bKV kann steuerfreier Sachlohn sein
Vertriebshilfe bekamen Makler nach heftigem politischem Tauziehen im November vergangenen Jahres. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hatte noch im Mai 2019 versucht, mit einem Referentenentwurf die bKV im Steuergesetz als steuerpflichtigen Barlohn zu manifestieren (FONDS professionell ONLINE berichtete). Im November kam Entwarnung, indem das BMF ein maßgebliches Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 7. Juni 2018 endlich im Bundessteuerblatt veröffentlichte. Im Rahmen der 44-Euro-Freigrenze ist die bKV nun als steuerfreier Sachlohn zu behandeln.

Genau gilt: Gewährt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer Krankenversicherungsschutz, so handelt es sich in Höhe der Arbeitgeberbeiträge um Sachlohn, wenn der Arbeitnehmer aufgrund des Arbeitsvertrages nur Versicherungsschutz, nicht aber eine Geldzahlung verlangen kann. Damit ist die Zahlung für den Arbeitnehmer steuerfrei (Az.: VI R 13/16 und VI R 16/17).

Aber Vorsicht: Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss zur Krankenversicherung nur dann, wenn der Arbeitnehmer mit einem Versicherer seiner Wahl selbst einen Vertrag schließt, handelt es sich um Barlohn, weil dann Geld aufgewendet wird. Der ist aber nicht steuerfrei. Ob Bar- oder Sachlohn vorliegt, ist wichtig für die Freigrenze des Paragrafen 8 Absatz 2 Satz 11 EStG. Sachbezüge bis 44 Euro im Monat sind demnach steuerfrei.

Axa neuerdings mit Kombinationsprodukt von bAV und bKV
Kurz nach Veröffentlichung des IVFP-Ratings legte die Axa ein anspruchsvolles neues bKV-Angebot auf. Es sei das "erstes integrative Produkt in der Absicherung von Mitarbeitenden". Gemeint ist: Besteht in der Firma schon ein Kollektivvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV), kann eine Krankentagegeldversicherung (KTG) hinzugewählt werden, und zwar über einen Gruppenvertrag mit vereinfachter Gesundheitsprüfung.

Mit dem "Krankentagegeld PLUS" soll die Versorgungslücke bei längerer Krankheit geschlossen werden. Bekanntlich endet nach 42 Tagen meist die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Danach bekommen gesetzlich Krankenversicherte in der Regel ein geringeres Krankengeld (70 Prozent des letzten Bruttogehalts, maximal 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens) – für höchstens 78 Wochen (danach wird die Berentung geprüft). Damit dorht im Vergleich zum ursprünglichen Gehalt eine finanzielle Lücke. Wandelt der Arbeitnehmer zudem Entgelt in bAV um, muss er die Beiträge aus dem verbleibenden Krankengeld privat finanzieren, um die bAV-Ansprüche in voller Höhe zu erhalten –im langwierigen Krankheitsfall also eine doppelte finanzielle Belastung. (dpo)