Nachdem die Ratingagentur Franke und Bornberg vor knapp einem Jahr das erste Rating für gewerbliche Cyber-Policen in Deutschland vorgelegt hat (FONDS professionell ONLINE berichtete), folgt nun die zweite Bewertung aus dem Bereich der Gewerbeversicherung: Die Analyse der Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) ist Franke und Bornberg zufolge hierzulande die erste ihrer Art.

Insgesamt hat die Hannoveraner Agentur 438 BHV-Tarife und -Bausteinlösungen unter die Lupe genommen. Davon wurden gut sechs Prozent als hervorragend eingestuft, 22 Prozent als sehr gut und 44,5 Prozent als gut. Ausreichende, mangelhafte oder ungenügende Bewertungen wurden lediglich knapp sechs Prozent aller Tarife zugeteilt. "Das Bedingungswerk ist überdurchschnittlich, aber noch ausbaufähig", urteilt Leonard Wolf, Leiter Gewerbeversicherungen bei Franke und Bornberg.

Rund 350 Bewertungskriterien
Das Rating beleuchtet alle relevanten Deckungsunterschiede in dieser Versicherungssparte. Für die Tarifanalyse wurden rund 350 Kriterien erarbeitet und die Hälfte davon berücksichtigt, so Wolf. Die Gewichtung der Sachverhalte orientiert sich am Bedarf von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit Jahresumsätzen bis zehn Millionen Euro und Wirkungsschwerpunkt in Deutschland. Versicherer sprechen hier auch vom Standardgeschäft.

Ermittelt wurden die jeweils besten Tarife für zehn Branchen (siehe Tabelle). Dazu waren passgenaue Kriterien vorgegeben worden, um die teilweise sehr spezifischen Regelungen vergleichbar zu machen. So soll Transparenz für Vermittler und Kunden gewährleistet werden.

Top in der Bau-BHV
Besonders gut schneiden Haftpflichtversicherungen für die Baubranche ab. Diese verzeichnet aktuell prall gefüllte Auftragsbücher und ist zugleich erheblichen Haftungsrisiken ausgesetzt. Denn Bauschäden gefährden im schlimmsten Fall auch Leib und Leben – ob am Düsseldorfer Flughafen, im Berliner Hauptbahnhof oder in der Eissporthalle in Bad Reichenhall.

Für die Bewertung der Bau-BHV wurden zusätzlich 29 branchenspezifische Kriterien erarbeitet und acht zu Mindeststandards erklärt, etwa die Deckungssumme oder die Mängelbeseitigung. Wird ein Mindeststandard nicht erfüllt, führt dies zur Herunterstufung in die nächstniedrigere Klasse. Trotz der hohen Anforderungen erhalten 42 der 58 analysierten Bau-Haftpflichttarife mindestens die Note gut. Die leistungsstärksten Angebote kommen derzeit von der Allianz und der VHV.

Die besten Tarife in der Handwerks-BHV
Für das BHV-Rating Handwerk hat Franke und Bornberg ebenfalls 58 Haftpflichttarife untersucht. Davon erreichten 46 die Noten gut, sehr gut oder sogar hervorragend. An der Spitze stehen auch hier die Versicherer VHV und Allianz.

Als Mindeststandards für Handwerksbetriebe definiert Franke und Bornberg die angebotene Deckungssumme, die Vergabe von Leistungen an Dritte (Subunternehmer) sowie kundenfreundliche Regelungen zu Mängelbeseitigungsnebenkosten, der Teilnahme an Arbeits- und Liefergemeinschaften und Nachhaftung.

Spitzenreiter in der Dienstleistungs-BHV
Werbeagenturen stehen vor anderen Haftungsrisiken als ein Kurierdienst oder IT-Dienstleister. So vielfältig wie die Dienstleistungsbranche insgesamt ist auch das Tarifspektrum. Gerade Start-ups mit innovativen Geschäftsmodellen sind auch auf innovative Versicherungskonzepte angewiesen. Mit 80 Tarifen zeigen Betriebshaftpflichtversicherungen für Dienstleistungsbetriebe die größte Vielfalt. Knapp zwei Drittel der Tarife erhalten eine gute Note oder eine bessere Beurteilung. Am besten schnitten die Tarife von Allianz, Basler und VHV ab.

Das Rating trifft den Nerv der Zeit, denn die BHV ist mit Abstand die am häufigsten vermittelte Gewerbeversicherung von Maklern. Sie gilt als bestandsfest, die Nachfrage ist groß und es drohen keine regulatorischen Eingriffe bei der Vergütung. Gewerbebetriebe zuverlässig zu beraten, erfordert allerdings fundiertes Expertenwissen. Der Bedingungsvergleich ist eine besondere Herausforderung. Angesichts fehlender Transparenz galt die Prämie bislang als wichtiger Vergleichsmaßstab. Das dürfte sich nun ändern.

Gutes Werkzeug für Berater
Berater erhalten mit dem neuen Rating ein praktikables Werkzeug, um die Tarifqualität in ihrem Gewerbebestand kritisch zu prüfen. Neueinsteigern bietet es Orientierung in einem anspruchsvollen und lohnenden Geschäftsfeld.

Die detaillierten Rating-Ergebnisse für alle untersuchten Branchen sowie die Bewertungsrichtlinien gibt es kostenlos im Internet. (dpo)