Aktuell bieten fast 61.000 Firmen in Deutschland für über 2,82 Millionen Beschäftigte eine betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV). Das bringt Arbeitnehmern nicht nur zusätzliche Leistungen auf Kosten des Arbeitgebers, sondern vor allem leichteren Zugang zur medizinischen Versorgung. Gleichwohl werden Angebote in der bKV noch nicht konsequent genutzt. Häufig erschwerten lange Wartezeiten, komplizierte Prozesse, Fachärztemangel und unklare Zuständigkeiten den Weg zur passenden Versorgung.

Neue Versorgungskonzepte sollten genau an den strukturellen Schwachstellen ansetzen und die klassischen Benefit-Programme um einen praktischen Versorgungsnutzen erweitern. Dazu gehören unter anderem digitale Terminservices, Facharztvermittlungen, telemedizinische Angebote, Vorsorge-Checks, Zweitmeinungsservices und Gesundheitsbudgets.

Zentrale Gesundheitsservices weitgehend etabliert
Welche Services von den privaten Krankenversicherern aktuell angeboten und wie sie von Arbeitnehmern genutzt werden, zeigt der "bKV-Gesundheitsservices-Monitor 2026/2027" von Funk Vorsorge, einem Spezialmakler samt Unternehmensberatung für betriebliche Vorsorgethemen. Ergebnis: Zentrale Gesundheitsservices, die eine Navigation und Orientierung für einen bedarfsgerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung bieten, sind mittlerweile bei der großen Mehrheit der bKV-Anbieter etabliert.

Als Top-Drei-Gesundheitsservices hat Funk bei Mitarbeitern das Gesundheitstelefon, die Telemedizin sowie den Facharzt- und Terminservice identifiziert. So stellen 16 von 17 untersuchten Versicherern ein Gesundheitstelefon sowie einen Facharzt- und Terminservice zur Verfügung, 14 von 17 bieten zusätzlich telemedizinische Sprechstunden an. Viele Services sind rund um die Uhr erreichbar, mehrsprachig nutzbar und häufig auch für Angehörige der Mitarbeiter zugänglich.

bKV wird zur Omnikanal-Gesundheitsplattform
"Die bKV hat sich vom klassischen Versicherungsprodukt zu einer Omnikanal-Gesundheitsplattform für Unternehmen und Mitarbeiter entwickelt", sagt Christian Till, Bereichsleiter Markets, Products & Investments bei Funk Vorsorge. Unternehmen erwarten von den Versicherern einen schnellen Zugang zur Versorgung, Orientierung im Gesundheitssystem und eine spürbare Entlastung ihrer Mitarbeiter, insbesondere vor dem Hintergrund internationaler Belegschaften.

Besonders dynamisch entwickeln sich laut Studie die Gesundheitsservices in den Bereichen Pflege und psychische Gesundheit. "Mittlerweile bieten elf der 17 Versicherer einen Pflege-Gesundheitsservice an", so Till. Der umfasse bei allen elf Anbietern Informationen zu Pflegeleistungen, bei zehn Versicherern Unterstützung bei der Organisation und Koordination ambulanter Pflege sowie bei je neun Anbietern Hilfe bei der Organisation von Pflegehilfsmitteln, haushaltsnahen Diensten und Vermittlung von Pflegeheimplätzen. Zudem hätten elf von 17 Anbietern eine Mentalberatung in ihre bKV-Konzepte integriert, oft mit einer 24/7-Erreichbarkeit und mehrsprachigen Angeboten.

Viele Services, aber Defizite in der Kommunikation
Parallel zum Ausbau der Leistungen verknüpfen viele Versicherer ihre Gesundheitsserviceangebote zunehmend mit digitalen Lösungen, hat Funk Vorsorge beobachtet. Ein Großteil integriere seine Gesundheitsservices in Rechnungs- und Gesundheits-Apps. Zwölf von 17 Anbietern stellten zudem Gesundheitsportale mit Informationen, Videos und Übungen bereit. Neun von 17 Anbietern böten außerdem kundenspezifische Microsites oder Landingpages an.

Gleichzeitig identifiziert die Studie deutliche Defizite in der Kommunikation mit den Mitarbeitern. In klassischen Kommunikationsmaterialien stünden weiterhin die Versicherungsleistungen im Mittelpunkt, während Gesundheitsservices oftmals nur ergänzend erwähnt werden. "Gesundheitsservices entfalten ihren Mehrwert nur, wenn Mitarbeiter sie auch kennen, verstehen und niedrigschwellig nutzen können", betont Till. Da bestehe weiterhin deutlicher Nachholbedarf – sowohl in der zielgruppengerechten Kommunikation als auch bei Transparenz und Wirkungsmessung.

Services als strategischer Bestandteil moderner Gesundheitskonzepte
"In einigen Unternehmen gibt es einen unübersichtlichen und kostenintensiven Flickenteppich an Gesundheitsangeboten", erklärt Till. Mit bKV-Gesundheitsservices ließen sich diese Einzellösungen in ein transparentes Gesamtkonzept des betrieblichen Gesundheitsmanagements überführen, Doppelstrukturen abbauen und Kosten deutlich senken. Entsprechende Servicepakete ließen sich teilweise auch außerhalb der Gesundheitsbudgettarife über klassische Leistungsbausteine zu monatlichen Beiträgen von unter einem Euro pro Mitarbeiter realisieren, beobachtet Funk Vorsorge.

Fazit der Studie: Die Zukunft der bKV entscheidet sich nicht mehr allein über Versicherungsleistungen, sondern zunehmend über konkrete Versorgungserlebnisse der Mitarbeiter. "Unternehmen, die ihre Attraktivität stärken und Gesundheitsrisiken strategisch steuern möchten, sollten Gesundheitsservices daher nicht mehr als Zusatzoption, sondern als festen Bestandteil moderner bKV- und Gesundheitskonzepte verstehen", so Till. (dpo)