bKV: Trend zu mehr Hilfe bei Zugang zur medizinischen Versorgung
Die betriebliche Krankenversicherung wird zum Gesundheitsmanager. Angesichts drohender Leistungskürzungen in der GKV sind attraktive gesundheitsbezogene Benefits wie Präventionsprogramme und schnellerer Zugang zu Fachärzten bei Arbeitnehmern gefragt. Wie sich ein großer Makler positioniert.
Gesundheitsleistungen sind hochgeschätzte betriebliche Benefits. Das zeigen Zahlen zur betrieblichen Krankenversicherung (bKV), die nach Angaben des PKV-Verbandes Ende 2025 in 60.800 Unternehmen (plus 16 Prozent) für inzwischen 2,82 Millionen Beschäftigte (plus knapp elf Prozent) angeboten wurde. Dabei verschiebt sich der Fokus im betrieblichen Gesundheitsmanagement, beobachtet das auf Industrie- und Gewerbekunden, Institutionen sowie gehobene Privatkunden fokussierte Makler- und Beratungshaus MRH Trowe: Arbeitgeber wollten ihren Mitarbeitern nicht nur zusätzliche Leistungen finanzieren, sondern vor allem den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern.
"Wir beobachten einen klaren Trend: Über zusätzliche Versicherungsleistungen hinaus ist konkrete Unterstützung im Versorgungsalltag gefragt", sagt Sandra Mekler. Es gehe zunehmend darum, Hürden abzubauen – etwa bei der Terminvereinbarung, beim Zugang zu Fachärzten oder bei der Orientierung im Gesundheitssystem. "Diese Hürden wird auch die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht beseitigen", so die Managing Partnerin bei MRH Trowe Benefits Brokers.
bKV noch nicht konsequent genutzt
Der Makler begleitet nach eigener Aussage rund 20.000 Unternehmen im Bereich Benefits und unterstützt damit Lösungen für insgesamt fast eine Million Mitarbeiter. Angebote in der bKV seien grundsätzlich vorhanden, würden aber nicht konsequent genutzt. Häufig erschwerten lange Wartezeiten, komplizierte Prozesse, Fachärztemangel und unklare Zuständigkeiten den Weg zur passenden Versorgung. "Wer Prävention stärken will, muss nicht nur Leistungen bereitstellen, sondern den Zugang dazu einfacher machen", sagt Mekler.
Dass hier eine erhebliche Lücke besteht, zeigten aktuelle Erhebungen: Nach einer Yougov-Studie im Auftrag des digitalen Gesundheitsbegleiters Doctolib halten zwar 84 Prozent der Deutschen Vorsorgeuntersuchungen für wichtig, doch weniger als die Hälfte nimmt entsprechende Angebote regelmäßig wahr. Jeder vierte Deutsche geht demnach gar nicht zur Vorsorge. Gleichzeitig steige der wirtschaftliche Handlungsdruck: Laut Robert Koch-Institut erkrankten in Deutschland jährlich mehr als eine halbe Million Menschen neu an Krebs, jeder Sechste davon noch während der Erwerbstätigkeit.
Mit bKV gesundheitliches Risikomanagement betreiben
"Für Arbeitgeber geht es daher nicht allein um Mitarbeiterbindung, sondern auch um Risikomanagement", erklärt Mekler. Steigende Krankenstände, psychische Belastungen, Fachkräftemangel und eine alternde Gesellschaft machten Gesundheit zu einem wirtschaftlichen Faktor. "Besonders KMU spüren Ausfälle oft unmittelbar", so die Expertin. Neue Versorgungskonzepte sollten genau an den strukturellen Schwachstellen ansetzen und die klassischen Benefit-Programme um einen praktischen Versorgungsnutzen erweitern.
Dazu gehören unter anderem digitale Terminservices, Facharztvermittlungen, telemedizinische Angebote, Vorsorge-Checks, Zweitmeinungsservices und Gesundheitsbudgets. MRH Trowe biete mit "Cancer Secure" ein Programm, das bei einer Krebserkrankung die bestmögliche Behandlung gewährleistet, mit Zugang zu personalisierter Präzisionsmedizin und einem weltweiten Netzwerk von Spezialisten. "Damit erhalten Beschäftigte dort Unterstützung, wo das Gesundheitssystem im Alltag häufig als schwer zugänglich erlebt wird", weiß Mekler aus Erfahrung. Für Unternehmen biete das die Chance, Ausfallzeiten zu reduzieren und die Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken.
Viel Luft nach oben bei der bKV-Nutzung
Tatsächlich deckt die bKV Gesundheitsleistungen ab, die die GKV nicht oder nur teilweise bezahlt. Dennoch gibt es laut dem Barmenia-Gothaer KMU-Stimmungsbarometer 2025 Angebote erst in 84 von 519 befragten KMU. Insgesamt 16 Prozent setzten auf die bKV. Je größer die Unternehmen, desto häufiger die Angebote. Während nur sechs Prozent der Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern Angebote parat haben, sind es bei den Unternehmen mit 201 bis 500 Beschäftigten rund 23 Prozent.
Mittlerweile bieten mehr als 20 Versicherer Budgettarife an. In der Vergangenheit hatten die Versicherer zumeist nur rabattierte Tarifbausteine von individuellen Zusatzpolicen offeriert. "Diese Angebote erfüllen nicht den Bedarf der Arbeitgeber nach reduzierten Fehlzeiten und schneller Wiederherstellung der Arbeitskraft", sagt Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata in Köln.
Budgettarife im Trend
Budgettarife dagegen bieten ein breiteres Leistungsspektrum als die Einzeltarife und wurden 2018 von der Halleschen in den Markt gebracht: Da wählt die Firma für ihre Belegschaft ein Gesundheitspaket in Kombination mit einer bestimmten Budgethöhe, die jedem Mitarbeiter pro Jahr zur Verfügung steht. Je nach Belieben können die Angestellten medizinische Leistungen aus verschiedenen Bereichen in Anspruch nehmen.
Die Maklergenossenschaft Vema führt in regelmäßigen Abständen Makler-Befragungen zur Produktqualität in verschiedenen Sparten durch, darunter auch zur betrieblichen Vorsorge. Unter 224 Teilnehmern ist in der bKV aktuell die Allianz der Favorit der Makler (25 Prozent der Nennungen) vor der Halleschen (21,88 Prozent) und der Barmenia-Gothaer (11,16 Prozent).
Beim bKV-Kompetenz-Rating 2024 (externer Link) des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung schnitten diese zehn Anbieter exzellent ab: Axa, Barmenia, Bayerische Beamtenkrankenkasse, Continentale, DKV, Gothaer, Hallesche, R+V, Süddeutsche und Württembergische. Das Rating wird alle zwei Jahre im Herbst aktualisiert. (dpo)














