Das Analysehaus Franke und Bornberg hat die aktuelle Version seiner vielbeachteten "BU- Leistungspraxisstudie" vorgelegt. Sie bezieht sich auf eigene Untersuchungen zum Geschäftsjahr 2017 von sechs großen BU-Versicherern, die zusammen über 50 Prozent aller Leistungsfälle abdeckten: Aachen Münchener, Ergo, HDI, Nürnberger, Swiss Life und erstmals auch die Allianz. Dabei handelt es sich um dieselben Anbieter, die sich zuletzt dem BU-Unternehmens-Rating bei Franke und Bornberg unterzogen hatten, wo also die Recherche gleichzeitig tiefe Einblick in die BU-Regulierungspraxis ermöglichte.


Die interessanten Untersuchungsergebnisse haben wir anhand von Schaubildern in der Galerie oben aufbereitet.


Ergebnis: Die BU-Leistungsquote dieser sechs Versicherer beträgt 2017 für insgesamt 32.808 neue BU-Leistungsanträge 82,86 Prozent (2016: 76 Prozent). Bei schweren Erkrankungen wie Krebs liege die Quote noch höher. "Von systematischer Leistungsverweigerung kann zumindest bei den teilnehmenden Gesellschaften keine Rede sein", berichtet Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter bei Franke und Bornberg. Lediglich 17 Prozent der Anträge auf BU-Leistung wurden abgelehnt. "Verweigerung sieht anders aus", kommentiert Franke mit Blick auf die häufig kolportierte Meinung, dass BU-Versicherer ihre Kunden systematisch übervorteilen.

Viele Anbieter verweigern Transparenz
Allerdings hat die Masse der Anbieter auch keine Daten zur Studie beigetragen und wurde nicht vor Ort getestet. Auch die im Vorjahr noch teilnehmenden Gesellschaften Stuttgarter und Zurich Deutscher Herold waren diesmal nicht dabei. Ein realistisches Abbild der BU-Leistungspraxis gibt die Studie dennoch: Es wurden immerhin 14.500 Fälle ausgewertet. Im Bestand der sechs Anbieter gibt es 6,82 Millionen BU-Verträge, von denen rund 142.200 Kunden BU-Leistung beziehen.

Die Anerkennung von Berufsunfähigkeit erfolgte 2017 demnach zu 92,7 Prozent bedingungsgemäß, zu 5,3 Prozent auf Basis einer individuellen Vereinbarung und zu 2,0 Prozent nach einer Auseindersetzung vor Gericht. Der häufigste Grund für eine Ablehnung der BU-Leistung ist, dass der versicherte Grad der Berufsunfähigkeit (mindestens 50 Prozent sind nötig) nicht erreicht wurde (56 Prozent der Nennungen). Zweihäufigste Ursache sind Anfechtung oder Rücktritt durch den Versicherer wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durch den Kunden (24 Prozent).

Anträge von psychisch Erkrankten oft abgelehnt
Bei den Ablehnungen nach Krankheitsbild führen die psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen mit über 30 Prozent der BU-Leistungsanträge das Feld an, gefolgt von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes (27 Prozent) und Herz-Kreislauf-Krankheiten (15 Prozent). Für einen Zusammenhang von Rentenhöhe und Ablehnungsquote fanden die Analysten von Franke und Bornberg keine Anhaltspunkte.   

Berufsunfähigkeit tritt gehäuft mit 50 Jahren und später auf. Das Durchschnittsalter aller ausgewerteten 14.500 Fälle betrug 44,17 Jahre, die meisten Leistungsanträge kamen 2017 von der Altersgruppe der 47- bis 55-Jährigen. Erstaunlich: Die durchschnittliche Leistungsdauer beträgt im BU-Fall lediglich rund sechs Jahre. So erkläre sich, dass zwar statistisch jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig wird, aber trotzdem aktuell nicht einer von vier Menschen im arbeitsfähigen Alter betroffen ist. "Es sind schlicht nicht alle Betroffenen ein Leben lang und insbesondere nicht gleichzeitig berufsunfähig", sagt Franke.

Leistungsprüfung dauert unerträglich lange
Die Leistungsprüfung dauert im Durchschnitt ein halbes Jahr (genau: 180 Tage). Allein der Zeitaufwand für Gutachten schlage mit 104 Tagen zu Buche. Damit hat sich die Gesamt-Prüfungsdauer tendenziell sogar noch verlängert. In der BU-Leistungsstudie für 2016 war noch eine Leistungsprüfungsdauer von durchschnittlich 156 Tagen ermittelt worden. Das waren rund 1,5 Monate mehr als vom Versichererverband GDV angegeben (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Makler wissen: Die Qualität einer BU-Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. "Wenn der Kunde Leistungen beantragt, schlägt für ihn die Stunde der Wahrheit", erklärt Franke. Daher bezieht das Analysehaus die Leistungspraxis als zusätzlichen Beurteilungsmaßstab in Tarifratings heran. Franke und Bornberg hatten zu Jahresbeginn ein BU-Produktrating vorgelegt und 68 SBU-Tarife von insgesamt 234 untersuchten für hervorragend befunden (FONDS professionell ONLINE berichtete). (dpo)