Das soeben vorgelegte Rating 2026 für die selbstständige Berufsunfähigkeits-Versicherung (SBU) vom Analysehaus Franke und Bornberg ist das härteste, das es je gab. "Qualität in den Bedingungen allein reicht nicht mehr, Stabilität und Nachhaltigkeit erhalten als eigenständige Bewertungsdimensionen eine wachsende Bedeutung", begründet Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer von Franke und Bornberg (FuB), den erneuten Relaunch der Ratingkriterien. Bereits im Vorjahr waren die Kriterien für die Bewertung von SBU-Tarifen verschärft worden, etwa das Abschneiden beim BU-Leistungspraxisrating höher als zuvor gewichtet.

Nun setzt das erneut überarbeitete Bewertungsverfahren an drei Stellen an:

  • Stärkere Gewichtung der Versicherer-Stabilität: Das jeweilige Ergebnis aus dem BU-Stabilitätsrating im Map-Report erhält mehr Gewicht im Produktrating. Prämien, Risikoüberschüsse und kalkulatorische Risiken werden damit stärker in die Gesamtbewertung einbezogen.
  • Nachhaltigkeits-Score: Erstmals fließt der von FuB entwickelte Score zur Nachhaltigkeitspositionierung der Anbieter in die Bewertung ein. Der Score bewertet Versicherer anhand von über 250 Einzelkriterien in sechs Fokusthemen – von Ressourcenmanagement über nachhaltiges Investment bis hin zu nachhaltigen Produkten.
  • Schärfere Leistungskriterien: Die Anforderungen an Kapitalleistungen bei Einstellung der BU-Leistung wurden präzisiert, die Kriterien zur Arbeitsunfähigkeitsklausel und zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit (AU) neu gewichtet.

Strukturelle Defizite im BU-Markt zwingen zu Rating-Überarbeitung
"Bedingungsqualität ist die Eintrittskarte – aber kein Alleinstellungsmerkmal mehr für einen guten BU-Tarif", so Franke. Wer heute eine BU empfiehlt, müsse wissen, ob der Versicherer dahinter auch in zehn oder 20 Jahren noch das hält, was er heute verspricht. Daran waren in den letzten beiden Jahren Zweifel aufgekommen. Insbesondere die Einführung des Verzichts auf die konkrete Verweisung im BU-Fall durch die Versicherer HDI, Deutsche Anwalt- und Notarversicherung sowie die Bayerische lösten Kritik bei den Analysten aus.

Ein strukturelles Problem des BU-Marktes ist laut Franke der anhaltende Preiswettbewerb. Einzelne Anbieter unterschritten die Durchschnittsprämie am Markt um 40 Prozent und mehr. Gleichzeitig wachse das Leistungsversprechen: Nachversicherungsgarantien, AU-Bausteine und Zusatzoptionen würden ausgebaut, während die Risikoprüfung schlanker werde. Seltener angeforderte Arztberichte und verkürzte Abfragezeiträume erhöhten die aktuarielle Unsicherheit.

Seit Beginn der FuB-Analyse 2010 haben über 20 BU-Anbieter ihre Risikoüberschüsse teils massiv gesenkt und damit ihre Kalkulation ins Wanken gebracht. "Wer dabei zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten", warnt Franke.

Wer nun beim SBU-Rating glänzt
Für das Rating zu selbstständigen BU-Tarifen (SBU) hat FuB diesmal 190 Tarife (Vorjahr: 121) von 52 Versicherern (Vorjahr: 54) analysiert. Nach der Neujustierung erhält 2026 weniger als jeder dritte Tarif (31,1 Prozent) die Bestnote (2024: 57 Prozent), und 46,5 Prozent bekommen eine sehr gute Bewertung – siehe auch folgende Grafik.

Quelle: FuB

15 von 52 Gesellschaften platzieren mindestens einen Tarif in der Top-Gruppe: Allianz, Axa, Continentale, DBV, Deutsche Ärzteversicherung, Dialog, Ergo, Hannoversche, HDI, LV 1871, Nürnberger, Signal Iduna, Stuttgarter, Presseversorgungswerk und Volkswohl Bund. Lediglich ausreichend werden insgesamt sechs Tarife bewertet: von Interrisk, LVM, Münchener Verein, My Life und WGV. Eine Auflistung aller Ergebnisse gibt es hier (externer Link), die überarbeitete Rating-Methodik hier (externer Link).

Absicherungsbedarf nicht annähernd gedeckt
Das Rating könnte für Makler der passende Anlass zum Ausbau der BU-Beratung sein. Laut Versichererverband GDV stehen 46 Millionen Erwerbstätige einem Bestand von rund sechs Millionen Policen zur Arbeitskraftabsicherung (selbstständige Invaliditätsversicherungen) gegenüber, erinnert FuB. "Die Absicherungsquote bleibt damit auf einem gesellschaftlich unbefriedigenden Niveau, das Neugeschäft stagniert", betont Franke. Nach GDV-Angaben kamen 2024 nur rund 440.000 neue Policen hinzu. Der Bedarf nach Absicherung bleibe riesig.

FuB bewertet SBU-Tarife nach einem mehrstufigen Kriterienkatalog, der Bedingungsqualität, Versicherer-Stabilität und Leistungspraxis verbindet. Mindeststandards für die oberen Bewertungsklassen stellten sicher, dass Tarife der obersten beiden Ratingklassen (hervorragend; sehr gut) durchgängig überdurchschnittliche Qualität aufweisen. Zu den unveränderten Mindeststandards zählen weltweiter Versicherungsschutz, kundenfreundliche Regelungen bei schuldlos verletzter Anzeigepflicht sowie der Verzicht auf abstrakte Verweisung bei Erstprüfungen. (dpo)