BU-Versicherung: Warum die Stabilität wackelt
Der Preiswettbewerb in der BU-Versicherung ist ungebrochen und wird durch einen Wettbewerb um laxere Risikoprüfung ergänzt – das hinterlässt Spuren. Ein neues Stabilitäts-Rating zeigt, dass im Markt der Abstand zwischen sauber kalkulierten Tarifen und strukturellen Schwächen wächst.
Der Preiswettbewerb in der Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) ist ungebrochen – und er wird schärfer. Tarife werden aggressiver kalkuliert denn je, die Durchschnittsprämien teils um mehr als 40 Prozent unterschritten. "Gleichzeitig reduzieren immer mehr Versicherer die Abfragezeiträume in der Risikoprüfung, weil der Bedingungswettbewerb kaum noch Differenzierungspotenzial bietet", beobachtet Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg (FuB).
Vor dem Hintergrund laxer werdender Risikoprüfung und weiterer Preiserosion kommt der Frage nach der langfristigen Stabilität der Anbieter besondere Bedeutung zu. Das neue "BU-Stabilitätsrating 2026" des bei Franke und Bornberg angesiedelten Marktbeobachters Map-Report zeigt, wer auch in fünf oder zehn Jahren noch verlässlich zu seinen BU-Leistungsversprechen stehen kann.
Nicht der aktuelle Preis im Mittelpunkt
Bereits in den Vorjahren hatte der Map-Report in seinem Stabilitätsrating beobachtet, dass die Prämiengestaltung im Markt weiter sehr aggressiv ausgerichtet war. Andererseits zeigten Marktbeobachtungen von FuB seit 2010, dass einige Versicherer die Überschüsse im BU-Bestand nach unten angepasst hatten und Kunden so eine höhere Prämie zahlen mussten oder Leistungen einbüßten. Im neuen Rating (Map-Report Nr. 943) wurde daher besonders darauf geachtet, welche Versicherer langfristig verlässliche Konditionen bieten.
Die 1.850 im Rating erreichbaren Punkte verteilen sich auf vier Bereiche: Beiträge (500), kalkulatorische Risiken (450), Stabilität (500) und Finanzstärke (400). "Im Fokus steht nicht der aktuelle Preis, sondern ob Annahmeregeln, Tarifpolitik, Überschüsse und Unternehmenskennzahlen das Leistungsversprechen dauerhaft tragen", erklärt Reinhard Klages. "Dazu wurde das Bewertungsverfahren geschärft", so der Analyst des Map-Reports.
Bewertungsverfahren geschärft
Das Raster für kalkulatorische Risiken wurde erweitert (Nachversicherungsgarantien, Umorganisation, Verweisung und die Konsistenz der Gesundheitsfragen fließen in die Bewertung ein) und ein mehrjähriger Prämienvergleich eingebaut (Brutto- und Nettobeiträge 2026 werden Marktmittelwerten 2024 bis 2026 gegenübergestellt). "Wer seine Prämien im Zeitverlauf übermäßig stark unter den Marktmittelwert gesenkt hat, wird zusätzlich abgewertet – ein Korrektiv für kurzfristiges Preisdumping“, so Klages.
Ergebnis: 38 Gesellschaften erhielten eine Gesamtbewertung, davon schnitten fünf Anbieter hervorragend ab: wie schon im Vorjahr Continentale, LV 1871 und Allianz sowie neuerdings HUK-Coburg und Debeka. Fünf weitere Versicherer stellten sich dem noch deutlich umfangreicheren BU-Unternehmensrating von FuB, bei dem Einblick in interne Kennzahlen und Prozesse genommen wird, und schnitten bei der Stabilität ebenfalls hervorragend ab: Nürnberger, HDI, Ergo Vorsorge, Stuttgarter und Generali.
Gefahren bei großem Brutto-Netto-Spread
Trotz mehrfacher Absenkungen des Rechnungszinses hat sich an der Grunddynamik des Prämienabriebs nichts geändert, so der Map-Report. Dies zeige auch der Preisvergleich gegenüber dem ersten BU-Stabilitätsrating von 2015. Die Beiträge fast aller Musterfälle seien seither zum Teil deutlich gefallen. Besonders auffällig sei die zunehmende Differenzierung der Berufsgruppen, vor allem bei vermeintlich risikoarmen Tätigkeiten. "Diese Feinsteuerung stützt den Trend zur Unterkalkulation", sagt Klages.
"Wer bei der Prämienkalkulation zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten", ergänzt Franke. "Gut ist wichtiger als günstig – das gilt in der BU mehr als in jedem anderen Produkt." In der Teilbewertung "Stabilität" erreichten im Rating zehn Gesellschaften die volle Punktzahl: Allianz, Continentale, Cosmos, Debeka, Ergo Vorsorge, Generali, HDI, LV 1871, Nürnberger und Stuttgarter.
Immerhin: Spread ist rückläufig
Eine große Differenz zwischen Netto- und Bruttobeitrag in der BU-Versicherung kann für Kunden unter Umständen stark steigende Beiträge zur Folge haben. "Gemeinhin gilt: Je größer der Abstand zwischen Netto- und Bruttoprämie, umso größer ist das Risiko steigender Prämien", so Klages. Immerhin ist der Brutto-Netto-Spread, also die durchschnittliche Differenz zwischen aktuellem Zahlbeitrag (netto) und maximal möglichem Höchstbeitrag (brutto), rückläufig: Lag die Differenz 2016 im Schnitt noch bei 36,1 Prozent, ging sie im aktuellen Geschäftsjahr auf 31,7 Prozent zurück – siehe Grafik unten. Eine Zusammenfassung zum "BU-Stabilitätsrating 2026" gibt es hier (externer Link). (dpo)

Quelle: Map-Report 943















