Der Bund der Versicherten (BDV) gehört naturgemäß zu den größten Kritikern von Gesellschaften, die Lebenspolicen-Altbestände anderer Versicherer übernehmen und abwickeln – sogenannte Run-off-Plattformen. Nun wollen die Verbraucherschützer um den streitbaren Vorstandssprecher Axel Kleinlein sogar rechtlich gegen eine Abwicklungsplattform vorgehen.

In einer Pressemitteilung begründet der BDV das wie folgt: Viridium-Chef Heinz-Peter Roß habe in einem Zeitungsinterview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mittels Garantieversprechen Werbung für den Verkauf von rund vier Millionen Lebensversicherungen der Generali-Gruppe an sein Unternehmen gemacht. Generali und Viridium haben sich auf die Übertragung geeinigt, es steht aber noch die Zustimmung der Bafin aus (FONDS professionell ONLINE berichtet). 

"Aktuariell unseriös"
Konkret würden Viridium und Roß laut BDV garantieren, dass Versicherungskunden der Generali nach dem Verkauf stets zehn Prozent "der Kosten" ausgezahlt bekämen. Das ist nach Ansicht der Verbraucherschützer weder technisch noch aktuariell seriös umsetzbar. "Eine derartige Garantie würde dazu führen, dass zusätzlich umfangreiche aktuarielle Berechnungen anzustellen wären, eine entsprechend komplexe EDV einzurichten sei und zusätzliche aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllt werden müssten. Das ist alles sehr teuer", erklärt Versicherungsmathematiker Kleinlein. "Daher ist es einer Abwicklungsplattform schlichtweg nicht seriös möglich, eine solche Garantie auszusprechen."

Daher habe man Roß um "Aufklärung" gebeten. Dieser habe laut BDV jedoch weder schriftlich geantwortet noch sich angesichts einer drohenden Abmahnung durch den BdV bereit erklärt, zukünftig derartige Aussagen zu unterlassen. Der BdV wolle nun weitere rechtliche Schritte gehen, um die Unterlassung derartiger Behauptungen klären zu lassen.

Nach Ansicht des BdV ist eine Schlechterstellung der Versicherten bei einem Run-off auf einer Abwicklungsplattform stets zu befürchten. "Für Abwicklungsplattform sind die Versicherten nur eine Ware, aus der möglichst viel Rendite herausgepresst werden soll", kritisiert Kleinlein. Deshalb habe der Sachverhalt rund um den Verkauf der Generali-Verträge an Viridium Relevanz für die gesamte Lebensversicherungsbranche.

Viridium weist Vorwürfe zurück
 "Die Pressemitteilung (des BDV) stellt sowohl den komplexen Sachverhalt als auch den bisherigen Dialog zwischen Viridium und dem BDV verkürzt und irreführend dar. Viridium weist insbesondere darauf hin, dass das Unternehmen dem BDV mehrfach angeboten hat, den Sachverhalt im persönlichen Gespräch ausführlich zu erläutern. Der Vorstandsvorsitzende Roß ist in dem genannten Interview vom 22. August 2018 sehr verdichtet auf den komplexen Mechanismus der Kosteneinsparungen eingegangen", schreibt Viridium in eimem Statement, das der Redaktion vorliegt. 

Das Unternehmen habe dem BDV zudem mitgeteilt, dass es künftig noch stärker auf eine präzise Darstellung dieses komplexen Sachverhalts achten wird. Zudem sehe man daher weiterhin keine Veranlassung, eine vom BDV geforderte Unterlassungserklärung abzugeben.

Damit gewinnt die Diskussion über die Vor- und Nachteile eines sogenannten externen Run-offs (FONDS professionell ONLLNE berichtete) deutlich an Schärfe. Kleinlein und der BDV haben durch eine vor rund zwei Monaten veröffentlichte Studie des Kölner Kivi-Instituts Rückendeckung erhalten. Die Forscher haben in der Auswertung der 2017er Geschäftsergebnisse von Lebensversicherern festgestellt, dass Run-off-Gesellschaften signifikant größere Gewinnanteile an ihre Aktionäre oder Muttergesellschaften ausschütten als in der Branche üblich. (jb)