Lebensversicherungen sind nicht mehr das Nonplusultra, wenn es um eine rentierliche Vorsorgeform fürs Alter geht. Grund: Ein großer Teil der Policen wird lange vor Erreichen der Rentenphase gekündigt. "Versicherungsprodukte erweisen sich als ungeeignet für die Altersvorsorge", kommentiert Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV), das Resultat einer Berechnung seines Hauses (lesen Sie hierzu auch den Kommentar "Krude Argumente" von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch).

Die Lobbyisten aus Hamburg haben die aktuelle Stornoquote von jährlich 2,6 Prozent in der Lebensversicherung zur Grundlage ihrer Hochrechnung gemacht. Dabei haben sie ermittelt, was diese Quote für Verträge bedeutet, die von heute 20-, 30- oder 40-jährigen Personen abgeschlossen werden – siehe folgende Tabelle.

So würden von 100 Männern im Alter von 20 Jahren, die eine Lebensversicherung abschließen, durchschnittlich nur 27 diesen Vertrag noch bei Rentenbeginn ihr eigen nennen. Drei werden verstorben sein und 70 den Vertrag zwischenzeitlich gekündigt haben. Bei 100 Männern, die im Alter von 40 Jahren eine Lebens- oder Rentenpolice abschließen, haben im Schnitt 44 bis Rentenbeginn durchgehalten – 49 haben die Police gekündigt. Bei Frauen sieht es ähnlich aus: Von 100 heute 20-Jährigen wären ebenfalls 70 vorher ausgestiegen – eine konstante Stornoquote von 2,6 Prozent pro Jahr vorausgesetzt.

Die Zahlen zeigen nach Meinung des BdV eindeutig, dass es der Versicherungsbranche zwar unverändert gelingt, neue Verträge zu verkaufen, jedoch nicht, die Kunden langfristig zu überzeugen und bei der Stange zu halten. "Offensichtlich gibt es hohe Anreize, nur zu verkaufen, ohne die Kundinnen und Kunden auch halten zu wollen", so Kleinlein. Daher wäre es nach seiner Ansicht notwendig, die Verkaufsanreize in Form hoher einmaliger Abschlussprovisionen zu mindern und stattdessen auf "nachhaltigere Vergütungen" zu setzen.

"Wegen überhöhter einmaliger Abschlussprovisionen wird ein überhitzter Abverkauf von nicht bedarfsgerechten Lebensversicherungen massiv befeuert", meint Kleinlein. "Dies muss mitbedacht werden, wenn die Politik demnächst über Kostendeckel oder Provisionsverbote diskutiert." (jb)