Die Ergebnisse der Umfrage unter 463 Maklern sind alarmierend: Sechs von zehn der über 55-jährigen gaben an, über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiterarbeiten zu wollen. Das bedeutet mit weiter fortschreitendem Alter de facto, dass sie die Bestandscourtage mit einer fortlaufenden Rente gleichsetzen und Kunden gar nicht oder nur noch auf Anfrage betreuen, fürchtet Philipp Kanschik, Mitglied der Geschäftsleitung bei Policen Direkt und dort verantwortlich für Technologieentwicklung und Maklernachfolge.

Run-offs von Maklerfirmen würden derzeit wieder wahrscheinlicher. Es sei ein besorgniserregender Trend, dass sich viele damit auch rechtlichen Risiken aussetzen. "Offenbar glauben ältere Einzelmakler keine Wahl zu haben, weil sie zunehmend von Altersarmut bedroht sind", erklärt Kanschik. Das Neugeschäft fehle diesen Firmen aktuell besonders, weil ihnen auch die Zeit bis zum Ruhestand fehlt, Bestände ausreichend auszubauen.  

Eine geordnete Geschäftsübergabe scheint ebenfalls für große Teile der Maklerschaft nicht in Sicht: Über alle Altersgruppen hinweg sei die Nachfolge in 75 Prozent der Fälle nicht geregelt. Dramatisch ist es laut Barometer aber bei den Maklern, die eigentlich schon im Rentenalter sind: Bei fast zwei Dritteln (65 Prozent) dieser Altersgruppe ist die Nachfolgefrage völlig offen, bei den über 70-Jährigen sind es immer noch 40 Prozent.

Corona-Durststrecke bis Ende 2021 befürchtet
Mit 67 Prozent rechnet die überwiegende Mehrheit der Makler damit, die negativen Corona-Folgen noch bis Ende 2021 zu spüren. Derzeit beklagen laut Umfrage 49 Prozent einen Rückgang im Personen- und 30 Prozent im Sachgeschäft. Zudem häufen sich bei 39 Prozent der Befragten durch Corona-Turbulenzen verursachte Serviceanfragen ihrer Gewerbekunden. "Makler haben damit aktuell mehr Arbeit bei gleichzeitig geringeren Einnahmen", folgert Kanschik.

Jeder sechste jüngere Makler unter 55 denke wegen finanzieller Einbußen sogar schon ans Aufhören. Über alle Altersgruppen hinweg sehen sich durch die Corona-Pandemie mehr als fünf Prozent der Versicherungsmakler existenzbedrohenden finanziellen Nöten ausgesetzt. Die Chance, den Bestand profitabel zu verkaufen, werde durch die Corona-Krise aber verringert. Kleinere Aufkaufinteressenten fallen selbst zunehmend aus. "Bestandskäufer werden zunehmend größer und digitaler", prognostiziert Kanschik.

Trotz der Tendenz zu sinkenden Preisen für Maklerbestände gibt Kanschik für qualitativ gute Bestände Entwarnung: Sie blieben vom Preisverfall verschont, besonders bei starker Kundenbindung und digitaler Aufbereitung und Pflege der Kundendaten. Policen Direkt selbst kauft seit 2016 etablierte Versicherungsmaklerfirmen und Bestände auf und bietet als Nachfolgelösung auch verschiedene Rentenmodelle an. (dpo)