Und plötzlich bleibt der Laptop-Bildschirm schwarz: Experten halten das Niveau der Sicherheitsmaßnahmen gegen Cyberschäden derzeit noch für zu gering. Insbesondere im Privatkundenbereich, aber auch im Kleingewerbe schätzen 93 Prozent der Befragten den Eigenschutz der Unternehmen als niedrig oder eher niedrig ein, wie eine Studie von Assekurata vom vergangenen Herbst offenlegte (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Hacker nutzen es gerade jetzt aus, dass Mitarbeiter im Zuge der Corona-Krise teils mit Eigengeräten im Firmennetzwerk arbeiten, durch die heimische Umgebung vielleicht nachlässiger sind und die Sicherheitsstandards zugunsten der schnellen Netzanbindung heruntergefahren wurden", beobachtet Frank Huy, Leiter Haftpflicht und Financial Lines der Gothaer Versicherung. Ergo: Homeoffice hat die Cybergefahren massiv erhöht.

Beim Versicherungsschutz müssen Makler jedoch gerade in Sachen Absicherung privater IT genau hinsehen. "Ein Angriff auf einen Firmenlaptop ist bei der gewerblichen Cyberpolice abgesichert, bei privaten Geräten muss auf die Bedingungen geachtet werden, insbesondere auf die Definition der IT-Systeme", warnt Arndt von Eicken von der Ratingagentur Assekurata. Am besten sei es, wenn in den Versicherungsbedingungen der gewerblichen Cyberversicherung "private Geräte der Versicherten" explizit genannt und damit eingeschlossen sind.

Homeoffice ohne gewerbliche Cyberversicherung riskant
Was das Homeoffice betrifft, besteht ohne gewerbliche Cyberversicherung kaum ausreichender Schutz. Private Cyberpolicen sind noch rar. Die Zeitschrift "Finanztest" hat kürzlich Cyberversicherungen für Privatkunden von 15 Anbietern unter die Lupe genommen (Ausgabe 06/2020). Leider wurden keine Test-Urteile vergeben, sondern lediglich aufgelistet, was die Policen bei Cybermobbing leisten und welche Hilfe sie beim Aufspüren persönlicher und rufschädigender Daten im Inter- inklusive Darknet ("Webscreening") sowie beim Löschen dieser Daten anbieten. Fazit: Policen eignen sich vor allem für Internetnutzer, die im Ernstfall schnelle Unterstützung benötigen und bisher keine Rechtsschutzversicherung haben. Ein Extra-Bezug zum Homeoffice wurde nicht hergestellt.

Laut Assekurata kann die private Cyberversicherung bei einem Angriff auf das Online-Bankkonto, bei Cybermobbing oder Datendiebstahl nützlich sein. Bei beruflicher Nutzung privater Geräte sei darauf zu achten, "dass ein Hard- und Softwareschutz ebenfalls gegeben ist“. Das bestätigt auch die Gothaer: Deren Internetschutzbrief für Privatpersonen sei zwar nicht auf die Situation im Homeoffice anwendbar. Dafür springe die gewerbliche Cyberversicherung für Vermögensschäden durch Nutzung privater IT im Homeoffice ein, wenn der Baustein BYOD ("bring your own device") mitversichert ist. Sachschäden, etwa die Beschädigung der Festplatte durch einen Hackerangriff, seien in der Regel aber nicht mitversichert. Dafür komme eine Elektronikversicherung in Betracht, die anders als die Cyberversicherung auch Hardware-Schäden an privaten elektronischen Geräten abdeckt.

Privathaftpflicht und Hausrat nur bedingt hilfreich
Andere Policen helfen nur bedingt. Drei Beispiele:

  1. In der privaten Haftpflichtpolice der Continentale (Protection Plus XXL) besteht in gewissem Umfang Versicherungsschutz für Drittschäden aus der "Übertragung elektronischer Daten", allerdings nur für Privatkunden, nicht jedoch für Arbeitnehmer.
  2. In der traditionellen Hausratversicherung sind Geräte versichert, die zu privaten Zwecken genutzt werden. Ausschließlich beruflich genutzte Laptops sind demnach nicht versichert, heißt es bei der Gothaer Versicherung (Tarif Heim & Haus). "Falls jedoch der private Laptop auch beruflich genutzt wird (aber nicht überwiegend), ist er mitversichert", so eine Sprecherin.
  3. Bei der Hausratversicherung von Hiscox ("Haus und Kunst") lassen sich über ein optional wählbares Zusatzmodul ("Private Cyber") private Cyberschäden bis zu einer Versicherungssumme von 100.000 Euro absichern. "Dann sind auch Hardware-Schäden mitversichert", bestätigt Ole Sieverding, Cyber-Experte bei Hiscox Deutschland.

Möglichst Sachsubstanzdeckung vereinbaren
Fest steht: Ohne Makler mit guten Marktkenntnissen sind Gewerbe- und Privatkunden beim Thema Cyberschutz generell hoffnungslos überfordert. Definiert ist der Cyberschutz als Versicherung reiner Vermögensschäden für Risiken, die aus der IT beziehungsweise dem Umgang mit dem Internet entstehen. Die Cyberversicherung übernimmt keine Sachschäden, steht also neben der Sach- und Elektronikversicherung. Haftpflichtversicherungen beinhalten keine Assistance- oder Präventionsleistungen.

Makler sollten Firmenchefs demnach dazu raten, die klassische gewerbliche Cyberdeckung mit Einschluss der Homeoffice-Nutzung abzuschließen, "am besten mit Sachsubstanzdeckung, damit der Austausch oder die Reparatur beschädigter Hardware bezahlt wird", rät Assekurata. (dpo)