Wenn in Deutschland vom "Vermittlersterben" die Rede ist, bezieht sich das in aller Regel auf die Versicherungsvermittler. Auf Sicht von zehn Jahren ist ihre Zahl um gut 25 Prozent auf unter 200.000 gefallen – das ist schon ein signifikanter Rückgang. In einem weiteren Segment des Finanzmarkts fällt das Minus allerdings deutlich drastischer aus.

Seit mittlerweile vier Jahren analysiert FONDS professionell immer in der November-Ausgabe den Markt der deutschen Haftungsdächer. Während im entsprechenden Bafin-Register 2016 noch gut 34.200 vertraglich gebundene Vermittler zu finden waren, sind es aktuell nur noch knapp 20.600. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 40 Prozent in nur vier Jahren – und klingt nach einer ganz anderen Dimension des Vermittlersterbens. Doch so dramatisch, wie sich das Minus anhört, ist die Situation nicht.


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Zunächst ist wichtig zu wissen, dass der Markt der Haftungsdächer enorm divers ist. Von insgesamt 204 Instituten, die "Tied Agents" an die Bafin melden, haben 106 nur einen einzigen Vermittler. Oft handelt es sich hierbei zum Beispiel um die Tochtergesellschaft einer Bank, die die KWG-Lizenz ihres Mutterkonzerns nutzen möchte, oder um eine deutsche Zweigstelle eines ausländischen Finanzdienstleisters. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen die großen Vertriebe, die sich dazu entschieden haben, ihr Investmentgeschäft über ein Bafin-reguliertes Institut abzuwickeln statt mit einer Gewerbeerlaubnis. Mittendrin finden sich die Haftungsdächer des "freien Vertriebs", die vor allem ehemaligen Bankern den Weg in die Selbstständigkeit ebnen möchten.

Krasses Minus bei der Axa Bank
Der Grund für den signifikanten Rückgang der Haftungsdachvermittler ist vor allem bei den großen Versicherern zu suchen. Besonders krass fiel das Minus zuletzt bei der Axa Bank aus, die aktuell 947 Vermittler weniger meldet als vor zwölf Monaten. Ein Axa-Sprecher erklärt dies mit einer "turnusmäßigen Bereinigung" des Bafin-Registers: "Die Differenz resultiert hauptsächlich aus Streichungen von Mehrfachmeldungen." Einige Axa-Vertreter waren offensichtlich mehr als einmal bei der Finanzaufsicht gemeldet.

Mit solchen Dingen muss sich der Versicherer bald nicht mehr auseinandersetzen: Im kommenden Jahr soll die Axa Bank mit der Fondsdepot Bank verschmolzen werden. Schon zum Jahreswechsel übernimmt das Institut aus dem bayerischen Hof die technische Depotführung für die Axa-Vermittler.

Allein 2018 meldete die Allianz Tausende Vertreter ab
Aktuell wickelt die Fondsdepot Bank bereits das Fondsgeschäft der Allianz- und Ergo-Vertreter ab. Den jüngsten Rückgang der Vermittlerzahl begründete Geschäftsführer Sebastian Henrichs kürzlich im Interview mit FONDS professionell ONLINE damit, dass sich der Produktmix der Versicherer im Investmentbereich zunehmend in Richtung Fondspolicen oder Vermögensverwaltungslösungen verschiebe, für deren Vertrieb nicht unbedingt ein Haftungsdach nötig sei.

Die Produkt- und Vertriebspolitik der Versicherer mag einen Teil des anfangs erwähnten "Vermittlersterbens" im Haftungsdach erklären. Noch bedeutsamer war in diesem Fall aber die Regulierung. Allein 2018 meldete die Allianz mehr als 10.000 meist nebenberufliche Vertreter aus dem Haftungsdach ab – wegen Mifid II. Sie agieren im Fondsbereich nun nur noch als Tippgeber für den Allianz-Außendienst. (bm)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 270. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.