Das sind die Pläne der VIG für die Nürnberger
Die Vienna Insurance Group (VIG) hat mit dem Kauf der Nürnberger Versicherung die Tür zum deutschen Versicherungsmarkt weit aufgestoßen. Wie die Wiener mit der neuen Tochter verfahren werden, berichtet VIG-Chef Hartwig Löger dem "Handelsblatt".
Die Vienna Insurance Group (VIG) möchte den vergangene Woche bekannt gegebenen Kauf der Nürnberger Versicherung zu Beginn des zweiten Halbjahres 2026 festzurren. Die österreichische Gesellschaft hat bereits die Verkaufserklärungen der größten Nürnberg-Eigner Munich Re, Daido Life und Versicherungskammer Bayern in der Tasche. "Inzwischen gibt es auch Vereinbarungen mit weiteren Aktionären", sagte Hartwig Löger, Vorstandschef der VIG, in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt". Den übrigen wolle die VIG noch diese Woche ein Angebot machen: "Wir gehen davon aus, dass das Angebotsverfahren bis Ende November abgeschlossen wird."
Für die VIG, die neben Österreich stark in Osteuropa vertreten ist, ist es die größte Übernahme der Firmengeschichte. In Deutschland ist sie bisher nur mit dem kleinen Versicherer Interrisk und als Rückversicherer präsent. Mit der Übernahme der Nürnberger möchte die VIG ihre Präsenz in Deutschland also deutlich ausbauen.
Nürnberger an der langen Leine
Dabei setzen die Wiener auf Eigenständigkeit der künftigen Tochter. "Wir verstehen uns als Gruppe, die aus regionalem Unternehmertum heraus agiert", betonte Löger gegenüber der Zeitung. "Es gibt kein Top-down-Management aus Wien." Dieses System, so Löger weiter, sei sicherlich auch eine "hohe Motivation für das Management der Nürnberger" gewesen. Dieses bleibe im Amt. Das "Handelsblatt" weist darauf hin, dass in Branchenkreisen immer wieder berichtet worden sei, der Vorstand rund um den Vorstandsvorsitzenden Harald Rosenberger sei beim Verkauf vor allem an der eigenen Jobgarantie interessiert gewesen.
Der Vorstand der Nürnberger muss aber nun mithilfe der VIG einige Probleme lösen. Im Jahr 2024 hatte die fränkische Gesellschaft einen Konzernverlust von 77 Millionen Euro eingefahren. Der Grund dafür waren insbesondere hohe Schäden in der Kfz- und Gebäudeversicherung. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2025 waren aber wieder deutlich verbessert, so die Zeitung.
Evolution, keine Revolution
Innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre soll die Profitabilität erreicht und stabilisiert werden. Dabei setzt Löger auf "Evolution, nicht Revolution – wir wollen das, was bereits gut läuft, stärken. Und Themen wie künstliche Intelligenz, Gesundheit und IT werden gruppenweit forciert, die Nürnberger wird darin integriert", sagte er der Zeitung.
Zudem werde der Wiener Versicherer eine hohe Summe in die IT der Nürnberger stecken. "Wir haben im Rahmen der Unternehmensprüfung erkannt, dass die Nürnberger vor allem im Bereich IT sehr hohen Investitionsbedarf hat", so Löger. Wie viel Geld dazu notwendig sein wird, wollte er dem "Handelsblatt" aber nicht sagen.
Keine Kündigungen
Dennoch dürfte ein Sparkurs unvermeidbar sein – schließlich wird die Übernahme die VIG knapp 1,4 Milliarden Euro kosten. Details zu möglichen Einsparungen nannte Löger der Wirtschaftszeitung nicht. Standort und Marke sollen erhalten werden und vorerst keine zusätzlichen Arbeitsplätze wegfallen. "Wir haben vereinbart, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit der Transaktion geben wird", sagte Vorstandschef Löger dem "Handelsblatt". (jb)













