Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie treffen Gewerbetreibende aus unterschiedlichen Branchen hart. Viele sind daher gezwungen, Lebensversicherungen zu kündigen oder zu verkaufen, um existenzbedrohende finanzielle Engpässe zu überbrücken. "In den letzten zehn Wochen hat sich die Situation angesichts der Corona-Krise so verschärft, dass Gewerbetreibende ihre Reserven auflösen", erklärt zumindest Efstratios Bezas, Leiter Vertrieb bei Policen Direkt, einem Aufkäufer von Lebensversicherungen. "Wir haben in den ersten vier Monaten schon fast so viele Anfragen bearbeitet wie im gesamten vergangenen Jahr."

Auch wenn der Verkauf einer Police für den Kunden immer schlecht ist, weil er damit seine Altersvorsorge verliert, für den betreuenden Versicherungsvermittler ist dieser Schritt besser als eine Kündigung. Denn auf diese Weise behält er seine Bestandsprovisionen – der Vertrag läuft schließlich weiter. Der Versicherungsnehmer selbst kommt bei einem Verkauf in der Regel finanziell ebenfalls besser weg als bei einer Kündigung. Der Grund: Die Aufkäufer bezahlen mehr als den aktuellen Rückkaufswert des Vertrages. Eine Kooperation des Vermittlers mit einem Policenaufkäufer ist also durchaus eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.


FONDS professionell ONLINE hat fünf Gesellschaften zusammengestellt, die auch von Beratern eingereichte Verträge aufkaufen. Zudem sind alle Mitglieder im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt (BVZL), der sich zu Einhaltung  gewisser Qualitätskriterien verpflichtet hat  – einfach oben weiterklicken!


Keine staatlich geförderten Verträge
Wichtig für Vermittler und ihre Kunden: Alle Aufkäufer investieren grundsätzlich in klassische kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen, einige auch in Fondspolicen mit Garantie. Für all diese Verträge können sie aus den Standmitteilungen der Versicherer eine Rendite kalkulieren und den Inhabern so einen Preis nennen. Der Aufschlag, den die Gesellschaften Kunden auf den Rückkaufswert gewähren, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Im Schnitt sind es aber zwei bis vier Prozent.

Ob die Gesellschaften letztlich einen Vertrag erwerben, kommt auf das Ergebnis einer individuellen Prüfung an, die auch die Solvenz eines Versicherers berücksichtigt. Daher bedeutet eine Anfrage bei den Aufkäufern nicht automatisch, dass sie ein Angebot unterbreiten. Auf der Hand liegt aber, dass die Chancen für Inhaber älterer, hoch verzinster Policen größer sind als die von Besitzern eines Vertrags, der nur einen Garantiezins von 0,9 Prozent aufweist. Keine Chancen haben Kunden mit staatlich geförderten Riester- oder Rürup-Versicherungen sowie Inhaber von Direktversicherungen der betrieblichen Altersvorsorge. Letztere dürfen nicht auf Dritte übertragen werden. (jb)


In der aktuellen Ausgabe 2/2020 von FONDS professionell finden Sie einen ausführlichen Bericht über den Zweitmarkt für Lebensversicherungen und darüber, was Vermittler bei einer Zusammenarbeit mit einem Aufkäufer berücksichtigen sollten. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.