Diese Lebensversicherer meistern den Bilanzcheck am besten
Die Allianz und die Hannoversche Leben haben die solidesten Finanzen. Das ergab die aktuelle Bilanzanalyse der Versicherer von Professor Hermann Weinmann. Der Experte schaute unter anderem auf die Storno-Einbußen, bei denen Allianz und Hannoversche am besten abschnitten.
Auf die Lebensversicherer kommen harte Zeiten zu. Das kommende Altersvorsorgedepot wird den Konkurrenzkampf unter den Versicherungsgesellschaften und vor allem mit den Fondshäusern, Banken und Neobrokern um Kunden verschärfen. Erschwerend kommt für die Assekuranz hinzu, dass sie für ihr echtes Alleinstellungsmerkmal, die lebenslangen Renten, finanzstark sein muss – im Moment gelingt das der Allianz und der Hannoverschen Leben am besten.
Dies ergab die jährliche Bilanzanalyse von Hermann Weinmann. Der Wissenschaftler vom Institut für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen hat für 2025 die Bilanzen der 14 größten im Neugeschäft aktiven Lebensversicherer in Deutschland unter die Lupe genommen. Das berichtet das "Handelsblatt", dem die zuerst in der "Zeitschrift für Versicherungswesen" veröffentlichte Auswertung vorliegt.
Maximale Punktzahl 1.000
Der Versicherungsexperte schaut alljährlich auf Kennzahlen wie Ertragskraft, Kosten, den Storno-Einbußen und den Bewertungsreserven sowie den Netto-Neuzugang an Versicherungsverträgen und gibt ein betriebswirtschaftliches Urteil ab. Die maximale Punktzahl, die ein Versicherer erreichen kann, ist 1.000.
Diese haben sowohl die Allianz als auch die Hannoversche Leben nicht erreicht, beide kommen aber immerhin auf 900 Punkte, so das "Handelsblatt". Außerdem bekommen beide als "Verbrauchernote" ein "Sehr gut". Auf den weiteren Plätzen landen die Axa Leben (700 Punkte), die Alte Leipziger Leben und die WWK Leben (jeweils 650 Punkte) und die R+v Leben (600 Punkte). Alle vier haben zudem ein "Gut" als Verbrauchernote.
Generell: Betriebskosten sinken
Die Allianz überzeuge unter anderem mit der niedrigsten Betriebskostenquote aller untersuchten Versicherer. Die Quote gibt an, welcher Teil der Kundenbeiträge auf Vertragsabschluss, Verwaltung der Verträge und sonstige betriebliche Aktivitäten entfällt. Beim Marktführer beträgt sie laut "Handelsblatt" nur 6,3 Prozent, während Weinmann für die WWK mit 19,3 Prozent den höchsten Wert errechnete. Immerhin sah der Wissenschaftler aber bei mehreren Anbietern auf Fünfjahressicht einen Rückgang der Betriebskosten.
Weinmann schaute ferner genauer auf die sogenannte Storno-Einbuße, bei der er die Zahl der stornierten Verträge zur Anzahl der Neuverträge ins Verhältnis setzt. Eine hohe Zahl an Kündigungen ist ein Zeichen dafür, dass viele Kunden unzufrieden sind, was den Gesellschaften zu denken geben sollte. Auffällig sind hier der Wirtschaftszeitung zufolge vor allem Zurich Deutscher Herold, Nürnberger Leben und Debeka Leben. Rechne man bei Debeka Leben auch noch die regulären Abläufe mit ein, gleiche das Neugeschäft den Bestandsrückgang nicht aus, kritisiert Weinmann.
Höhere stille Lasten
Dagegen hatten die Hannoversche Leben und Allianz Leben die geringsten Storno-Einbußen. Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr sieht der Experte laut der Meldung zudem bei WWK Leben sowie bei Axa, Generali und der Alte Leipziger Leben. Hannoversche und WWK punkten zudem damit, dass sie die beiden einzigen Versicherer in der Analyse mit positiven Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen sind. Bei allen anderen Anbietern sind die stillen Lasten im vergangenen Jahr weiter gestiegen – sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zum Buchwert in der Bilanz. (jb)













