Treffer, versenkt: In einem Prozess wegen versuchten Versicherungsbetrugs in Millionenhöhe hat das Landgericht Kiel ein Ehepaar zu Freiheitsstrafen nur auf Bewährung verurteilt. Dies berichten diverse Medien, darunter der Sender "N-TV" und der "Norddeutsche Rundfunk" (NDR). 

Das Paar hatte im Oktober 2019 einen Bootsunfall des Mannes vorgetäuscht, um so die Summen aus nicht weniger als 14 (!) Versicherungsverträgen zu kassieren. Die Lebens- und Unfallpolicen hatte der Angeklagte kurz vor der vermeintlichen Havarie abgeschlossen. In acht Versicherungsverträgen war seine betagte Mutter als Begünstigte benannt, die in den perfiden Plan zumindest eingeweiht gewesen sein soll, in sechs Fällen seine Ehefrau. Insgesamt habe sich die Versicherungssumme auf über vier Millionen Euro belaufen, berichtet "N-TV".  

Auf Mutters Dachboden versteckt 
Den vermeintlichen Unfall mit einem Segelboot auf der Ostsee und das "spurlose Verschwinden" des Mannes entlarvten clevere Fahnder allerdings bald als Finte. Den angeblich Vermissten fanden sie schließlich im Mai 2020 quicklebendig auf dem Dachboden seiner Mutter, wo er sich versteckt hatte. Das Ehepaar wurde wegen Versicherungsbetrugs in 14 Fällen vor Gericht gestellt – und nun verurteilt.

Allerdings kommen die Eheleute glimpflich davon. Dem 53-jährigen Angeklagten brummte das Gericht "N-TV" zufolge eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf, seine gleichaltrige Ehefrau bekam eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Grund für die eher milden Strafen: Statt in allen 14 Fällen erkannten die Richter lediglich in einem Fall tatsächlich eine versuchte Betrugshandlung. 

13 Mal Freispruch
In den anderen 13 Fällen wurden lediglich "Vorbereitungshandlungen" für einen Betrugsversuch festgestellt. Da solche nicht strafbar sind, erfolgt in diesen Fällen ein Freispruch. Verurteilt wurden die Angeklagten, weil die Ehefrau für die Abwicklung einer Unfallpolice dem Versicherer bereits auf Nachfragen geantwortet hatte. Nur in diesem einen Fall also war juristisch gesehen ein Betrugsversuch voll im Gange. 

Bei den übrigen Versicherungen ist die Sache nach Auffassung der Richter anders zu betrachten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Frau für die Abwicklung der Lebensversicherungen eine Sterbeurkunde hätte einreichen müssen. Erst dann hätte von einem tatsächlich erfolgten Betrugsversuch die Rede sein können, befand das Gericht. Dazu kam die Angeklagte allerdings nicht mehr, denn als sie das Dokument beim zuständigen Amtsgericht beantragte, wurden die Behörden hellhörig – und die Verdächtigen schnell geschnappt. 

Staatsanwaltschaft will Urteil anfechten
Die 87-jährige Mutter des Mannes sei wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an dem Betrugsversuch angeklagt worden, berichtet "N-TV". Das Landgericht habe das Verfahren gegen die Frau aus Gründen ihrer Gesundheit allerdings abgetrennt. Das milde Urteil gegen ihren Sohn und seine Ehefrau will die Staatsanwaltschaft anfechten, teilt der NDR mit. (am)