Ein spektakulärer Fall von mutmaßlichem Versicherungsbetrug in sage und schreibe 14 (!) Fällen wird derzeit vor dem Landgericht Kiel verhandelt. Dies berichten diverse Medien, darunter die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und der "Norddeutsche Rundfunk" (NDR). Angeklagt sind ein 53 Jahre alter Mann, der seinen Tod vorgetäuscht haben soll, seine Ehefrau  - sowie seine betagte Mutter.

Im Oktober 2019 hatte sich der Angeklagte mit einem Motorboot von Kiel aus auf den Weg nach Dänemark begeben, wenige Tage später meldete ihn seine Gattin als vermisst. Das Boot wurde in der Ostsee geborgen, der Mann blieb verschwunden. Der Polizei und einem Gutachter sei der vermeintliche Bootsunfall schon recht früh seltsam erschienen, schreibt die SZ. Ein tatsächlicher Unfall sei rasch ausgeschlossen worden. Doch dazu später mehr.

Die Anlageschrift der Kieler Staatsanwaltschaft klingt jedenfalls wie das Drehbuch für einen spannenden Krimi: Den Erkenntnissen zufolge sollen die drei Angeklagten im Sommer 2018 gemeinschaftlich den zur Disposition stehenden "Tatentschluss" gefasst haben. Der Mann schloss 14 Lebens- und Unfallversicherungen ab. In acht Fällen sei seine Mutter begünstigt gewesen, in sechs Fällen seine Ehefrau, berichtet die SZ. Insgesamt soll sich die Versicherungssumme auf mehr als vier Millionen Euro belaufen haben. Doch dank der Cleverness der Ermittler wurde nichts aus dem Vorhaben.

Auf dem Dachboden versteckt
Richtig hellhörig wurden die Behörden, als die Ehefrau des angeblich Verunglückten beim Amtsgericht ein Schreiben beantragte, das den Tod ihres Mannes offiziell bestätigen sollte. Zuvor war das Trio offenbar der Ansicht gewesen, eine selbst Todeserklärung der Polizei würde ausreichen, um die Versicherungssummen zu kassieren. Die Fahnder machten den vermeintlich Verstorbenen schließlich quicklebendig auf dem Dachboden der Villa seiner Mutter aus, wo er sich versteckt hatte.

Der erste Verhandlungstag war der SZ zufolge schnell beendet, denn das Ehepaar schweigt bisher zu den Vorwürfen. Die mitangeklagte Mutter des Mannes war am ersten Prozesstag nicht im Gerichtssaalanwesend. Eine Sprecherin des Landgerichts habe erklärt, es müsse erst geprüft werden, ob die 87-Jährige unter anderem aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsfähig sei, schreibt die SZ. Für den Prozess seien vorerst neun weitere Verhandlungstage geplant, ein Urteil soll es frühestens Ende Januar geben, schreibt die SZ. Laut einer Gerichtssprecherin sei bei einem besonders schweren Fall eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren vorgesehen. (am)