Die Managementberatungsgesellschaft EY Innovalue erwartet deutliche Einbußen für die Versicherungswirtschaft durch die Corona-Pandemie. Diese wird auch für eine Konsolidierung des Vertriebes sorgen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Versicherungsexperten der Beratungsgesellschaft angefertigt haben. "Die nach wie vor relevanten Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen haben einen deutlichen Einfluss auf den Vertrieb", sagt Julia Palte, Partnerin bei EY Innovalue. "Darüber hinaus sorgt die Verunsicherung der Privat- aber auch der Firmenkunden für Zurückhaltung beim Neugeschäft und Abrieb im Bestand."

Die Berater haben in zwei Szenarien die Auswirkungen der Krise auf Bestand und Neugeschäft modelliert und Handlungsempfehlungen für Versicherer und Vertriebe abgeleitet. Basis ist laut einer Pressemitteilung die erwartete Branchen- und Bruttoinlandsprodukt-Entwicklung mit und ohne Einfluss von Covid-19.

Verstärkte Konsolidierung im Vermittlermarkt
Eine wesentliche Veränderung des Vertriebswegemixes erwartet Palte nicht. "Der langfristige Trend des direkten Abschlusses wenig beratungsintensiver Produkte sowie der Bedeutungsgewinn von Maklern bleibt intakt. Neben dem Einfluss von Covid führen zunehmende regulatorische Anforderungen und vor allem die Überalterung zu rückläufigen Zahlen der aktiven Makler", sagt sie. Dabei seien vor allem die Einzelkämpfer der Einzel- und kleineren Mittelstandsmakler unter Druck. Bei Pools und Vermittlerorganisationen setze sich der Konsolidierungstrend fort. Insgesamt erwartet EY Innovalue einen Rückgang der registrierten Makler bis 2025 um 18 bis 23 Prozent.

Bei den gebundenen Vermittlern rechnen Palte und Kollegen sogar mit Rückgängen von 30 bis 34 Prozent. "Ausschließlichkeitsagenten sind zwar kurzfristig durch die Unterstützung der Versicherer gut gewappnet, gleichwohl bleibt der Trend zum Ausscheiden älterer Vermittler oder von Vermittlern mit hohem Leben- und Kranken-Fokus bestehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Vermittler die digitalen Möglichkeiten der Kundeninteraktion nicht nutzen", sagt Tobias Schulz, Director bei der Managementberatungsgesellschaft.

Signifikante Neugeschäftseinbrüche in Leben
Für 2020 gehen die Experten mit einem Rückgang des Neugeschäfts in der Lebensversicherung von 23 bis 27 Prozent aus. Hier sei insbesondere das Einmalbeitragsgeschäft betroffen. Noch stärker könnten die Rückgänge in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ausfallen. So sei gerade in der bAV aktuell das Neugeschäft teilweise komplett eingestellt, in der privaten Altersvorsorge drückt die anhaltende Unsicherheit auf die Abschlussbereitschaft. Hinzu kommen Beitragsfreistellungen und Storni.

Bestandsrückgang in Komposit
EY Innovalue erwartet im Komposit-Privatkundengeschäft mit einem Bestandsrückgang von zwei bis drei Prozent, insbesondere in den Sparten Kfz und Unfall, sieht aber den generellen Wachstumstrend nicht gebrochen, sondern zeitlich verschoben. Gründe seien verstärkte Preisvergleiche, gesunkene Kfz-Zulassungszahlen sowie ein Nachfragerückgang oder Storni in "verzichtbaren" Sparten. Im Firmenkundengeschäft könnte der Rückgang mit vier bis sechs Prozent noch deutlicher ausfallen. 

Private Krankenversicherung leidet unter reduzierter Wechselbewegung
Das Neugeschäft in der privaten Krankenversicherung könnte 2020 schließlich um 22 bis 29 Prozent sinken. Dies betreffe or allem die Vollversicherung. Das Vor-Krisen-Niveau dürfte auch bis 2025 nicht erreicht werden. Gründe seien eine geringere Wechselbereitschaft in die PKV sowie mehr Insolvenzen und weniger Eintritte in die Selbstständigkeit. Auch reduzierte Beratungsmöglichkeiten und ein beschleunigtes Ausscheiden abschlussorientierter Vermittler beeinflussen die Neugeschäftsentwicklung. (jb)