Die Generali Deutschland hat eine Reihe an einschneidenden Änderungen verkündet. Dazu zählt, dass sie ihren Ausschließlichkeitsvertrieb mit der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) zusammenlegt, die bekannte Marke Aachen Münchener vom Markt nimmt und den Lebensversicherer im ersten Quartal 2018 aufgibt – ihn also im Fachjargon "in den Run-Off" schickt. Das geht aus einer Ad-hoc-Pressemitteilung hervor.

Obwohl die Pläne ein Paukenschlag sind, kommen sie nicht völlig unvermittelt – Medien hatten bereits vor Tagen über die mögliche Vertriebsfusion mit der DVAG berichtet. Der Versicherer hatte zudem schon vor einiger Zeit eine große angelegte Restrukturierung angekündigt.

Ziel ist es, die vielen verschiedenen Einheiten des Konzerns zu bündeln und damit eine schlankere und kosteneffizientere Struktur zu schaffen. Dazu wurden die Gesellschaften in der Konzern-Holding zusammengeführt, die ihren Sitz in München hat. Die Trennung von der Generali Leben stand ebenfalls schon länger im Raum. Details zu dem Run Off nennt der Konzern aber nicht.

Aachen Münchener verschwindet
Im Rahmen dieses "One Company"-Modells werden nun die Marken und Gesellschaften des Fondspezialisten Aachen Münchener und des Krankenversicherers Central in die Kernmarke Generali Deutschland überführt, wie der Versicherer schreibt. In dieser Gesellschaft wird sich nach Medienberichten auch der Schaden- und Unfallbereich wiederfinden. Im Zuge dieses Umbaus sollen auch die bestehenden Einheiten für die Produktentwicklung der Sparten Leben, Kranken und Sach zusammengeführt werden.  

Das hat massive Auswirkungen auf den Exklusivvertrieb der Generali. Die rund 2.800 Mitarbeiter werden zur DVAG wechseln, an der der Versicherer 40 Prozent der Anteile hält – die übrigen 60 Prozent hält die Familie von Gründer Reinfried Pohl. Zu diesem Zweck wird die Generali Deutschland übergangsweise eine neue Gesellschaft gründen, die 2018 von der DVAG übernommen wird, wie der in Frankfurt ansässige Finanzvertrieb meldet. Damit wird die DVAG zugleich den exklusiven Vertrieb der Produkte der Generali Deutschland übernehmen.

Erfahrungen mit Übernahme von Generali-Vermittlern
Die DVAG fungiert bereits jetzt als Vertriebseinheit der Aachen Münchener und der Central. Hinzu kommt, dass der Konzern und der Vertrieb bereits Erfahrungen mit einem solchen Wechsel haben. Im Jahr 2006 hatte die DVAG den Außendienst der Aachen Münchener mit rund 2.000 Vermittlern übernommen. 2011 folgten dann weitere 320 Vertreter des konzerneigenen Krankenversicherers Central in Köln.

Die Überführung der Generali-Vermittler dürfte reibungslos erfolgen, da diese überwiegend aus freien Handelsvertretern besteht. Probleme dürften dagegen die rund 700 Berater machen, die noch einen Angestellten-Status aus Zeiten der Volksfürsorge-Versicherung haben, die die Generali in der Vergangenheit aufkaufte. Auch ihnen sollen laut einem Bericht des Branchenportals "Versicherungswirtschaft heute" Handelsvertreter-Verträge angeboten werden – andernfalls droht eine betriebsbedingte Kündigung.

Cosmos Direkt bleibt
Der Direktversicherer Cosmos Direkt bleibt dagegen erhalten und soll sogar ausgebaut werden. Das Gleiche gilt dem Branchenportal zufolge für die Dialog Leben, den Maklerversicherer der Generali-Gruppe. Für den auf biometrische Policen spezialisierten Versicherer soll eine neue Dialog-Sachgesellschaft gegründet werden, die das Maklergeschäft der alten Generali-Versicherung übernimmt. Dorthin sollen auch die Bestände übertragen werden.

"Dies ist der nächste Schritt zu mehr Exzellenz in der Generali Deutschland. Diese nächste Phase wird unsere Wachstumsstory beschleunigen, Profitabilität steigern, Kapitalbindung reduzieren und unsere Wettbewerbsposition stärken", kommentiert Giovanni Liverani, Vorstandschef der Generali Deutschland die Pläne. "Mit dem 'One Company'-Ansatz werden wir Komplexität reduzieren, die Go-to-Market-Fähigkeit verbessern und unsere führende Rolle bei Produktinnovationen und Smart Insurance-Produkten verstärken. Dank unserer langjährigen Partnerschaft mit dem herausragenden DVAG-Vertriebsnetz und dank der Verbesserung der im digitalen Vertrieb marktführenden CosmosDirekt werden wir unseren Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen." (jb)