Makler vermitteln Tarife vieler Anbieter. In ihrem Arbeitsalltag sind sie auf den reibungslosen Zugang zu deren Online-Diensten angewiesen. Doch Login-Verfahren und Zugangsberechtigungen unterscheiden sich je nach Versicherer erheblich – das kostet Zeit und Nerven. Mehrere Initiativen arbeiten deshalb an Lösungen, damit Makler mit einer einzigen Anmeldung (Single-Sign-On, kurz: SSO) Zugang zu den Online-Services aller Versicherer auf einmal erhalten. Die gute Nachricht: Der Wunsch, mit nur einer einmaligen Authentifizierung pro Tag Eintritt zu den Onlinediensten sämtlicher Versicherer gewährt zu bekommen, könnte sich bald erfüllen.

Mehr einfacher Online-Service, aber…
Die bekannteste und meistgenutzte SSO-Initiative ist Easy Login, gegründet bereits 2009. Das Portal sieht sich als Schlüssel zur sicheren digitalen Kommunikation zwischen Maklern, Softwareanbietern und Produktgebern. Durch einen Servicevertrag mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der eine "Trusted German Insurance Cloud" (TGIC) entwickelt, wird nun an einer einzigen SSO-Lösung für die gesamte Versicherungswirtschaft gearbeitet. Ziel ist es, dass Makler sich mit nur einem Passwort zu den Online-Diensten aller Versicherer anmelden können. Derzeit sind laut Homepage 48 angebunden, zudem 28 Softwarehersteller – und weitere kommen hinzu.

Ab sofort sind mit Allianz, Nürnberger, Versicherungskammer Bayern, Stuttgarter, Dialog und Provinzial Nordwest weitere sechs Gesellschaften an das Portal angeschlossen. "Wir sind froh, dass durch die Zusammenarbeit von Easy Login und TGIC ein einheitliches Single Sign-On im Markt geschaffen werden konnte und unsere Vertriebspartner so die Chancen der Digitalisierung noch stärker für sich nutzen können", sagt Allianz-Vorstand Rolf Wiswesser.

Weitere drei Versicherer sollen im Laufe des Jahres 2020 dazukommen. Deren Namen wollte Marek Ullrich, Geschäftsführer von Easy Login, trotz Nachfrage noch nicht nennen. Makler, die Bestandskunden von Easy Login sind, könnten sofort alle neu angebundenen Versicherer erreichen, wenn sie ihr Login-Procedere einmalig umstellen. "Das funktioniert innerhalb kürzester Zeit mit der neuen Funktion 'Account erweitern", erklärte Ullrich.

… immer noch ein Flickenteppich
Eine Übersicht auf der Website zeigt jedoch, dass es für die neuen sechs Gesellschaften lediglich einen Zugriff auf die Easy-Login-Linkliste gibt. Teilnehmer können so nach einmaliger Aktivierung auf das jeweilige Versicherungsportal zugreifen. Auf weitere Features – wie den unternehmensübergreifenden Postkorb, den Portal-Komforteinstieg, der ohne Navigation einen gezielten Einstieg ermöglicht, oder die Produktsuche – gibt es bei fünf dagegen noch keinen Zugriff. Allein die Stuttgarter bietet schon Postkorb und Komforteinstieg an.

Man sei eben noch in der Pilotphase, so Ullrich. Wer als Makler seinen Account erweitert, könne demnächst zusätzliche Funktionen nutzen. So soll das Verwalten von Easy Login-Accounts einer Maklerfirma sowie das Freischalten von Gesellschaften für bestehende Accounts erleichtert werden. Dazu werde auch die bisherige Website vereinheitlicht und mit neuem Namen versehen: Einfach-einmal-einloggen.

Makler fordern schnell einheitliche Systematik
Bislang nutzen knapp 22.000 Makler Easy Login. Nach der jährlich aufgelegten Studie "Makler-Audit" des Branchen-Informationsportals deutsche-versicherungsboerse.de (dvb) hatten zwei Jahre zuvor 71 Prozent der befragten Makler Easy Login sowie 10,2 Prozent das GDV-Portal genutzt. Das jahrelange Nebeneinander beider Projekte empfanden zahlreiche Maklerversicherer, die allesamt im GDV Mitglied sind, seit längerem als doppelten Aufwand und hatten sich für ein Ende dieser Konkurrenz stark gemacht.

Makler fordern den elektronischen Datenaustausch von den Versicherern zunehmend ein. Extranets der Versicherer sind dabei unbeliebt. Makler nutzen sie oft nur, weil die Versicherer immer schwerer zu erreichen sind, analysiert der "Makler Audit 2019". Dennoch seien Extranets für viele Makler wegen fehlender Schnittstellen zwischen Versicherern und Maklerverwaltungsprogrammen immer noch ein wichtiger Anlaufpunkt, um Auskunft über Verträge, Schriftwechsel, Schadenstatus und viele weitere Informationen zu erhalten. Eine einheitliche Systematik für den Zugriff auf die Systeme der Versicherer sei wünschenswert. Zwei Drittel der befragten Makler sind mit der aktuellen Situation allenfalls "mittelmäßig zufrieden", fast 28 Prozent dagegen überhaupt nicht. (dpo)