Die angespannte finanzielle Lage der 135 deutschen Pensionskassen scheint sich zu erholen. "Die Lage hat sich deutlich verbessert", sagte Frank Grund, Exekutivdirektor der Finanzaufsicht Bafin, vergangene Woche auf einer Veranstaltung in München, wie das "Handelsblatt" berichtet. Vollständige Entwarnung gebe es zwar nicht, immerhin stehen aber statt wie noch im Februar 40 Versorgungswerke aktuell nur noch 30 unter intensivierter Aufsicht und Kontrolle der Bonner Behörde und müssen dieser regelmäßig Bericht erstatten. Sowohl die Erholung des Zinsumfeldes als auch "tatkräftige Überzeugungsarbeit" bei den jeweiligen Trägern der Pensionskassen seien die Gründe für die positive Entwicklung.

Die Pensionskassen kämpfen seit Jahren mit dem niedrigen Zinsumfeld. Immer wieder schlugen die Aufseher der Bafin deshalb Alarm und wiesen auf die teils prekäre Finanzlage bei einigen Versorgungswerken hin. Drei befinden sich sogar in der internen Abwicklung: Die kleine Pensionskasse der Steuerberater mit ihren rund 8.000 Kunden traf es Anfang des laufenden Jahres, die Kölner Pensionskasse und ihre Schwestergesellschaft, die Pensionskasse der Caritas, wurden Anfang 2021 in den internen "Run-off" geschickt. Zusammen waren rund 55.000 Kunden betroffen. 

Steigende Zinsen
Die nun einsetzende Entspannung bei einigen zuletzt noch intensiv beobachteten Pensionskassen hängt dem Zeitungsbericht zufolge unter anderem mit der Erholung des Zinsumfeldes zusammen. Diese Entwicklung helfe aber nur bei Neuanlagen, für die es höhere Zinsen gibt. Beim überwiegenden Teil der bestehenden Wertpapiere führe der Zinsanstieg zu Kursverlusten. Immerhin drohen keine Abschreibungen, weil die Pensionskassen lang laufende Zinspapiere in ihren Portfolios gewöhnlich bis zur Endfälligkeit halten. 

Zudem haben die Träger der besonders finanzschwachen Pensionskassen auf Druck der Bafin in den vergangenen Jahren Geld in ihre notleidenden Versorgungseinrichtungen nachgeschossen. Oft sei es die Angst vor einem möglichen Reputationsverlust gewesen, der Unternehmen dazu brachte, mit hohen Millionensummen Unterstützung zu bieten. Schwieriger sei das bei kleinen Pensionskassen, die oftmals als Versorgungseinrichtung für eine Reihe kleinerer Unternehmen dienen. In den Sanierungsgesprächen gehe es dann darum, wer anteilig wie viel in den Topf geben muss, so die Zeitung. (jb)