Deutschland gehört zu den acht EU-Ländern, die auf der Grundlage der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD bereits Sanktionen oder sonstige Maßnahmen gegen Vermittler erlassen haben, und das nicht zu knapp: Von den insgesamt 1.923 Sanktionen, die zwischen Februar 2018 und Ende 2019 von den zuständigen Aufsichtsbehörden verhängt wurden, entfielen alleine 1.588 auf Deutschland, was über 80 Prozent aller Strafen entspricht. Das meldet die deutsche Finanzaufsicht Bafin unter Berufung auf einen Bericht der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa

Rund drei Viertel der gemeldeten Verstöße bestanden darin, dass Vermittler die beruflichen und organisatorischen Anforderungen aus Artikel 10 IDD verletzt hatten. Dieser regelt, wie sie ihren Berufszugang erwerben und aufrechterhalten. Dazu gehört beispielsweise, eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen zu können. Wenn das nicht oder nicht mehr der Fall ist, droht der Widerruf der Erlaubnis. Bei 50 Prozent der gemeldeten Sanktionen handelte es sich um einen solchen Widerruf. 

"Ehrrettung" der Bafin: Zahlen nicht vergleichbar
Die Bafin weist angesichts des sehr hohen Anteils von betroffenen deutschen Vermittlern darauf hin, dass dass sich die Zahlen der einzelnen Staaten derzeit nicht miteinander vergleichen lassen. Der europäische Versicherungsmarkt sei sehr heterogen. Zudem würden Verstöße in den Mitgliedsstaaten zum Teil unterschiedlich gehandhabt. Und schließlich haben 22 Länder im Berichtszeitraum überhaupt keine Sanktionen oder sonstige Maßnahmen verhängt.

In Deutschland mussten ferner neben der Bafin auch die Aufsichtsbehörden Sanktionen melden, die nach dem nationalen Gewerberecht für die erlaubnispflichtigen Versicherungsvermittler zuständig sind. Dabei handelt es sich insbesondere um Industrie- und Handelskammern. (jb)