Versicherungsgesellschaften in Europa drohen eine ganze Reihe an möglichen Gefahren, vor denen sie sich wappnen müssen. Vier davon sind besonders kritisch, so das Ergebnis des vierteljährlichen Markt-Checks der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa.

Als "sehr hoch" stuft die in Frankfurt am Main ansässige Behörde das "Makrorisiko" ein. Sie begründet dies mit den nach unten korrigierten Wachstumsraten für das Bruttoinlandsprodukt und die steigende Inflation in den europäischen Mitgliedsstaaten. Die Arbeitslosenquoten seien nach einem starken Rückgang der Geschäftstätigkeit ebenfalls massiv gestiegen. Die Eiopa erwartet zudem, dass sich die Haushaltssalden der europäischen Staaten durch ihre milliardenschweren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft verschlechtern werden.

Große Gefahr für Eigenkapital der Versicherer
Als "hoch" schätzt die Versicherungsaufsicht das Kredit-, Markt- und Solvenz-Risiko ein. Sie geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Solvenzquoten, also die Eigenkapitalausstattung, sowohl bei Lebens- als auch bei Nicht-Lebensversicherern im kommenden dritten Quartal markant sinken werden. Die Eiopa-Experten begründen ihre Prognose unter anderem mit Abschreibungen auf Vermögenswerte wie Anleihen und Aktien, die Versicherer vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung werden vornehmen müssen. 

Das Solvenzrisko hängt daher eng mit den beiden anderen zusammen, da Kreditrisiken vor allem den Ausfall von Anleiheemittenten meinen. Marktrisiken beziehen sich unter anderem darauf, dass die Zinsen noch weiter sinken, aber auch auf einen möglichen schnellen Anstieg. 

Weniger Probleme wegen Liquidität
Dagegen sei das Risiko, dass die Liquiditätsausstattung der Versicherer entscheidend zurückgehe, nicht mehr allzu hoch. Auch das versicherungstechnische Risiko liege nicht mehr auf hohem, sondern nur noch auf mittlerem Niveau. Der Eiopa zufolge seien die Prämieneinnahmen in der Lebensversicherung zwar gesunken, im Sachbereich zeigten sich aber bei Prämien und der Schadenquote gegenüber dem Vorjahr Verbesserungen. (jb)